Um den Bedürfnissen unserer Pferde gerecht zu werden, ist ein Blick auf die natürliche Lebensweise von Wildpferden hilfreich.

Der Lebensraum der kanadischen Wildpferde in den Chilcotin Mountain umfasst ein Gebiet das größer ist als Belgien. Im Winter und Sommer ziehen die Pferde in großen Gruppen umher, die bis zu 60 Pferden stark sein können. Nur im Frühjahr spalten sie sich zur Paarung in kleinere Herden auf. Die Wildpferde in diesem Gebiet unterliegen keinem Management. Das bedeutet: keine Zufütterung, kein Einfangen und auch weder Tierarzt noch Hufschmied. Eine natürliche Auslese findet hauptsächlich im Winter statt. Bei 40 Grad unter Null und hoher Schneedecke wird das Futter knapp und tötet jährlich um die 60 Pferde der insgesamt bis zu 350 Kopf starken Wildpferdepopulation. Auf großen, gerodeten Flächen, auf denen im Frühjahr neues Grün keimt, finden die Hengste und Stuten im Sommer genügend Nahrung für die Fohlen. Nur bei starkem Wind oder praller Sonne ziehen sie sich in die weitläufigen Wälder zurück. Darin befinden sich große Seen, die sie mit Frischwasser versorgen. In dieser, nach der Rodung wieder völlig unberührten, Natur geben sich die Pferde einem regelmäßigen Tagesablauf hin.

Ein Tag im Freien

Zum größten Teil ziehen die Pferde im Schritt umher um zu grasen, zu dösen oder sich der gegenseitigen Fellpflege zu widmen. Nachts ziehen sich die einzelnen Gruppen in die geschützten Wälder zurück, um dann bei Sonnenaufgang nach und nach aus ihrem Versteck heraus zu kommen. Am Morgen grasen sie auf den großen Lichtungen. Dabei sichern sie die Umgebung und legen pro Tag zwischen 30 und 50 Kilometer zurück. Wenn die Sonne dann im weiteren Tagesverlauf immer höher steigt und die Temperaturen im Sommer auch in Kanada die 30 Grad Marke überschreiten, führt die Leitstute die Herde wieder zurück in die Wälder. Gegen Nachmittag ziehen die Wildpferde dann langsam auf die Freiflächen, um wieder zu grasen und auch um sich intensiv der Fellpflege zu widmen. Mit Einbruch der Dämmerung werden auch die Feinde der Wildpferde aktiv. Jetzt wird deutlich, wie wichtig ein Herdenverband für Fluchttiere ist. Die kanadischen Wildpferde sind die einzigen auf der Welt, die von einem der größten Landraubtiere der Erde, dem Grizzlybären, gejagt werden. Neben dem Grizzly haben sie auch noch Schwarzbären, Kojoten und Wolfsrudel als Feinde. Eine der größten Bedrohungen in dieser von Menschen unberührten Wildnis ist jedoch der Puma. Er lauert auf Bäumen und lässt sich auf den Rücken der Pferde fallen, um sie dann durch einen gezielten Biss in den Hals zu töten. Das ist auch mit ein Grund, weshalb im Instinkt aller Pferde verankert ist, vor allem Angst zu haben, was auf dem Rücken sitzt.

Was benötigen Hauspferde?

Aus der vorangegangenen Beschreibung des natürlichen Lebensraumes des Pferdes kann man also einige Ansprüche ableiten, die auch das Hauspferd hat, um gesund zu bleiben:

  • Sozialkontakt (durch die Herde)
  • dauerhafte Bewegung in der Gangart Schritt (bis zu 50 km pro Tag)
  • dauerhaftes (karges) Futterangebot
  • dauerhafter Klimareiz (im Wechsel der Jahreszeiten)

Wie kann man auf diese Bedürfnisse bei der Pferdehaltung eingehen?

In den neuen innovativen Haltungssystemen wie „Paddock Paradise“ oder dem „Aktivstall“ werden alle Bedürfnisse des Pferdes abgedeckt. Die Idee hinter Paddock Paradise kommt tatsächlich aus Kanada und beinhaltet eine naturnahe Gruppenhaltung der Pferde auf verschiedenen Unterböden, um die Hufe gleichmäßiger abzureiben. Zusätzlich werden durch ein langes Gangsystem was mit dem Zaun angelegt wird, eine Wegstrecke von bis zu 10 km täglich zurückgelegt. Dabei wird die Wasserstelle von der Heustelle örtlich so getrennt, das die Pferde zwischen den beiden Plätzen ständig hin und her pendeln müssen. Selbst Sportpferdehalter die regelmäßig auf Turniere gehen, haben bereits auf diese Art der Pferdehaltung umgeschwenkt. Bei sachgerechtem Management hält es die Tiere über ein ganzes Pferdeleben gesund.

Autor: Kiki Kaltwasser

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