Und plötzlich steht eine Katze an der Terrassentür: Es kommt nicht selten vor, dass Katzen als Streuner unterwegs oder einfach ihrem Herrchen und Frauchen entlaufen sind. Doch wie geht man in so einer Situation mit dem fremden Tier um? Und dürfen Tierfreunde eine zugelaufene Katze behalten?

Wie sieht die rechtliche Lage bei zugelaufenen Tieren aus?

So sehr sich Kinder und Familien freuen, wenn eine fremde Samtpfote vor der Tür steht: Allein durch das Finden wird niemand zum rechtmäßigen Besitzer einer Katze. Dafür sorgt der Paragraf 965 des Bürgerlichen Gesetzbuches. Obwohl viele Haustiere als echte Familienmitglieder wahrgenommen werden, sind sie im rechtlichen Sinne ein Gegenstand oder eine “Sache”. Der Paragraf besagt, dass der Finder einer verlorenen Sache “unverzüglich Anzeige zu machen” hat.

Doch was tun, wenn der Finder den eigentlichen Besitzer nicht kennt? Oder wenn das zugelaufene Haustier weder einen Erkennungschip besitzt, noch eine Marke trägt? Auch dafür hat das Bürgerliche Gesetzbuch im Absatz zwei des gleichen Paragrafen eine Lösung parat: “Kennt der Finder die Empfangsberechtigten nicht oder ist ihm ihr Aufenthalt unbekannt, so hat er den Fund und die Umstände, welche für die Ermittlung der Empfangsberechtigten erheblich sein können, unverzüglich der zuständigen Behörde anzuzeigen.”

Wer also eine fremde Katze in seinem Vorgarten findet, muss dies direkt den örtlichen Behörden mitteilen. Im Falle eines Tieres wären das Veterinäramt oder das lokale Fundbüro eine gute Anlaufstelle.

ACHTUNG: Wer den Fund eines Haustieres nicht meldet, begeht Diebstahl. Das regelt das Strafgesetzbuch im Paragraf 242. Da es sich bei Haustieren rein rechtlich um “Sachen” handelt, wird ein “Wegnehmen” mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren “oder mit Geldstrafe bestraft”.

Ab wann werden Finder zu Eigentümern von Haustieren?

Meldet sich trotz der Anzeige des Fundes kein Besitzer, müssen Finder das Tier nicht ins Tierheim abgeben. Stattdessen eröffnet sich nach sechs Monaten die Möglichkeit, selbst Eigentümer der zugelaufenen Katze zu werden. Selbst wenn nach Ablauf des halben Jahres der vorherige Besitzer anklopft, müssen die Finder das Tier nicht mehr abgeben.

Doch was passiert, wenn der Vorbesitzer nach einem Vierteljahr seinen Anspruch geltend macht und das Haustier zurückfordert? Dann ist das Tier zwar wieder abzugeben - alle angefallenen Kosten, darf sich der Finder jedoch zurückholen. Hierunter fallen Arztkosten, der Kauf von Futtermitteln, ein Katzenklo oder auch Spielzeug. Deshalb gilt für Finder immer: Alle Kosten, die für die zugelaufene Katze anfallen, sollten im Zweifelsfall mit Rechnungen und Quittungen dokumentiert werden können.

Zugelaufene Katzen: Vorsicht vor temperamentvollen Charakteren

Katzen sind von sich aus streunende Tiere. Auch wenn sie ein liebevolles Zuhause besitzen, kommt es vor, dass sie sich für längere Zeit entfernen und die Nachbarschaft erkunden. Dabei neigen die Vierbeiner nicht dazu, einfach auf fremde Grundstücke zu laufen, sondern sich stattdessen an die Fersen von Menschen zu heften. Gerade Kinder, die liebevoll mit fremden Tieren umgehen, werden von Katzen mit Expeditionsneigung gerne verfolgt und „adoptiert“.

Nicht alle Katzen streifen Menschen beim Hinterherlaufen ständig um die Beine. Für Katzen genügt bereits Sichtkontakt zur Person des Vertrauens. Dass dies jedoch auch zur Gefahr werden kann, sehen Autofahrer täglich auf Deutschlands Straßen. Abgelenkte Katzen laufen häufig unbedarft über Straßen und können von Autos überfahren werden. In diesem Fall darf der unbeabsichtigte Täter sich nicht vom Unfallort entfernen, denn auch bei einem Unfall mit Tieren kann dies als Fahrerflucht zählen.

Sollten Tierfreunde bemerken, dass sie von einer Katze verfolgt werden, ist Vorsicht die höchste Prämisse. Um einen Unfall zu vermeiden, sollte ein sicherer Heimweg gewählt oder der Katze Schutz beim Überqueren der Straße geboten werden. Folgt die Katze dem unbekannten Menschen dann noch bis auf das Grundstück, ist darauf zu achten, wie sich die Katze verhält. Einige Katzen wollen einfach nur Streicheleinheiten einheimsen, andere haben sich vielleicht verirrt und suchen nach einem sicheren Platz. Nicht selten kommt es vor, dass vorwitzige Samtpfoten fremden Menschen, zu denen sie Zutrauen gefasst haben, ganz selbstverständlich in deren Wohnung oder Haus folgen.

Auf jeden Fall sollten Finder der Katze Respekt vor dem fremden Tier haben. Gerade wenn kleine Kinder im Haus sind, kann es sein, dass die Vierbeiner sich bedroht fühlen, Angst haben und im schlimmsten Fall beißen oder kratzen. Selbst Katzen, die vorab handzahm zu sein schienen, können in Stresssituationen auf Angriff setzen.

Deshalb gilt: Zunächst in Ruhe beobachten, ob das Tier sich wirklich häuslich niederlässt oder nach kurzer Zeit wieder verschwindet. Nicht jede Katze sucht nach einem Hort, sondern erkundet einfach nur die Nachbarschaft.

Verbringt die Katze jedoch die Nacht und weitere Tage auf dem Grundstück, sollte mit der Suche nach dem Eigentümer und mit der Versorgung des Haustieres begonnen werden. Folgende Checkliste kann bei der Erstversorgung von Katzen helfen.

  1. Katze nach möglichen Verletzungen kontrollieren und eventuell einen Tierarzt kontaktieren
  2. Katze mit handwarmer, laktosefreier Milch und etwas Trockenfutter versorgen
  3. Pappkiste mit einer Decke auslegen, um der Katze einen Rückzugs- und Schlafort anzubieten
  4. Örtliche Behörden kontaktieren (Veterinäramt, Fundbüro)
  5. Bei Tierärzten in der Umgebung nachfragen, ob eine Katze gesucht wird
  6. Aushänge & Flyer vorbereiten oder einen Online-Service nutzen
  7. bei längerem Aufenthalt der Katze: Tierarzt konsultieren und Gesundheitszustand kontrollieren lassen

Was tun, wenn das Tier verletzt ist?

Nicht jedes Tier läuft aus freien Stücken zu einem fremden Grundstück. Einige Katzen verletzen sich in nächtlichen Auseinandersetzungen oder durch Fremdeinwirkung, zum Beispiel durch ein Auto. In diesem Fall sollten Finder von Haustieren mit äußerster Vorsicht vorgehen. Verwundete Katzen können sowohl ruhig als auch sehr aggressiv auf Menschen reagieren.

In erster Linie gilt deshalb die Sicherstellung der eigenen Gesundheit als oberste Priorität. Kindern sollte der Zugang zu dem verletzten Tier zunächst verwehrt werden. Finder sollten nur mit Gummihandschuhen oder ähnlichem Schutz an das Tier herantreten, um mögliche Erkrankungen am eigenen Leib auszuschließen.

Insgesamt ist zu beachten: Verletzte Tiere werden nur berührt, um sie aus möglichen Gefahrensituationen zu befreien. Dazu zählt zum Beispiel eine Katze, die am Straßenrand liegt oder sich in einem Zaun verheddert hat. Wenn sichergestellt ist, dass von dem Tier keine Gefahr ausgeht, kann es zu einem Arzt gebracht werden. Um sich beim Transport vor Verletzungen durch Kratzen oder Beißen zu schützen, hat sich das Einhüllen in eine saubere Decke bewährt.

Zugelaufene Katzen: Erstversorgung in den eigenen vier Wänden

Eine Aufnahme in die eigenen vier Wände sollte nur im absoluten Notfall in Betracht gezogen werden. Das Auffinden der eigentlichen Besitzer sollte immer erste Priorität haben. Können diese nicht unmittelbar ausfindig gemacht werden, kann das Tier dann zunächst auch zuhause beherbergt werden. 

Wenn die Finder ein paar Tipps beachten, wird es der zugelaufenen Katze schnell gut gehen:

●     Keine Speisereste liegenlassen: Zugelaufene Katzen sind möglicherweise nicht regelmäßig ernährt worden. Oftmals fressen sie dann mehr, als sie auf einmal verdauen können. Alles was für sie erreichbar ist wird dann verschlungen. Um Verdauungsbeschwerden zu vermeiden sollte dann regelmäßig für eine ausreichende Futterportion gesorgt werden.  

●     Schlafplatz einrichten: Auch wenn Katzen nachts gerne draußen sind, ist es sinnvoll ihnen drinnen eine Schlafmöglichkeit einzurichten. Möglicherweise sind sie erschöpft und im Haus dann besser aufgehoben. Ein Karton, gepolstert mit einem großen Handtuch oder einer Decke genügt hier meist schon.

●     Hygiene einführen: Besondere Vorsicht im Umgang mit Katzen gilt für Familien mit kleinen Kindern und schwangere Frauen. Sogenannte Zoonosen (Krankheiten, die von Tier auf Mensch übergehen), sind durch einen initialen Gang zum Tierarzt und eine nachfolgende Behandlung des Tieres einzudämmen.

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