Samtpfoten kommen in der Schweiz an Weihnachten auf den Teller – Verbot gefordert.

Was man vom Hörensagen sonst nur aus asiatischen Ländern wie China, Korea und Indonesien kennt, ist auch vor unserer Haustür in der Schweiz verbreitet: der Verzehr von Hunde- und Katzenfleisch. Insbesondere zur Weihnachtszeit und allen voran in den Kantonen Bern, Luzern und Jura landen statt Gänsebraten gemäß alter Traditionen Samtpfoten im Ofen und als Festmahl auf dem Teller. In rund drei Prozent der Schweizer Haushalte, das heißt bei etwa 250.000 Menschen gebe es laut des Tierschutzvereins SOS Chats Noiraigue schätzungsweise das sogenannte Miau Miau-Menü.

Und das absolut legal. Denn anders als in Deutschland ist das Töten und der Verzehr der eigenen Katze oder des eigenen Hundes in der Schweiz erlaubt. Sogar die Jagd auf vermeintlich herrenlose Samtpfoten ist in manchen Kanonen laut Stern.de 200 Meter von Wohnhäusern entfernt möglich. Voraussetzung ist gemäß dem Schweizer Gesetz lediglich, dass die Schlachtung zu nicht-kommerziellen Zwecken und artgerecht geschieht, das heißt nicht gegen die Tierschutzverordnung verstößt. Einschränkungen, die der Vereins SOS Chats Noiraigue als kleinen Erfolg im Jahr 2013 verbuchen konnte. Damit geben sich die Tierschützer jedoch nicht zufrieden. 16.000 Unterschriften hat der Katzenschutzverein bei einer Petition gesammelt und diese Ende November beim Schweizer Parlament und im Bundesrat eingereicht, um nunmehr ein Gesetz zu fordern, das den Handel und den Verzehr von Hunde- und Katzenfleisch gänzlich in der Schweiz verbietet.

Woher die Zahlen stammen, die von der Initiative aufgeführt werden, ist jedoch fraglich. Dem Verein zufolge sei die Zahl vom Schweizer Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärmedizin (BLV) bestätigt worden. Sabina Helfer, BLV-Sprecherin, erklärte dem  Schweizer Nachrichtenportal 20min.ch übereinstimmenden Medienberichten zufolge jedoch: „Ich habe keine Ahnung, woher diese Zahl stammt, sicher nicht von uns“, und fügte hinzu: „Haustiere werden in der Schweiz grundsätzlich nicht verzehrt, daher kann man hier sicher nicht von einer Gewohnheit sprechen.“

Festzuhalten bleibt ungeachtet der Zahlen die Tatsache, dass in der Vergangenheit schon mehrmals Skandale und Debatten um den Verzehr von Katzenfleisch losgetreten wurden. Im vergangenen Jahr 2013 äußerte sich die ehemalige Journalistin Alda Fogliani in einem Interview mit dem Schweizer Magazin Blick.ch beispielsweise zu dem Thema. „Ich kenne eine Familie, bei der einmal im Jahr Katze auf den Teller kommt. Meistens an Weihnachten“, erklärte sie die umstrittene Tradition. Ebenso servierten und verzehrten weitere Bekannte Katzenfleisch. Sie selbst esse heute keine Katzen mehr – sie seien ungenießbar, weil sich der Geschmack vom Dosenfutter im Fleisch festsetze. Frisches Katzenfleisch hingegen schmecke „fantastisch“. „Wenn Sie mir eine Katze bringen, bereite ich sie gerne zu“, sagte sie im Interview. Ihre Mutter sei schließlich eine bekannte Katzenköchin gewesen. 

Dieselbe Ansicht vertrat im Jahr 2010 der italienische TV-Koch Beppe  Bigazzi  in der Sendung „Prova del cuoco“ (dt. Die Kochprüfung), als er von gebratener Hauskatze schwärmte. Ihm zufolge lege man die Samtpfote für drei Tage in Quellwasser ein und lasse sie dann im eigenen Saft schmoren. „Eine Köstlichkeit“ sei das, zitierte Spiegel Online den heute  81-Jährigen. Der Sender Rai Uno entließ den Küchenchef nach dieser Äußerung, der im Nachhinein behauptet,  missverstanden worden zu sein, allerdings niemals irgendetwas zu bereuen.

Ob künftig solche und ähnliche Skandale aufgrund einer veränderten Gesetzgebung ausbleiben, bleibt abzuwarten. Mit einer Entscheidung ist voraussichtlich erst im kommenden Jahr zu rechnen, Tierschützer hoffen indes jedoch weiterhin, den Katzenessern bereits zu Weihnachten den Appetit verderben zu können.

Du möchtest dieses Video auf Deiner Seite einbinden? Kopiere einfach einen der beiden Links und füge diesen in den Quellcode Deiner Seite ein. Du hast Fragen zum Einbinden? Sende uns eine Mail an redaktion (at) tiervision.de!