von Claudia Ludwig - Teil 2 der Rettung des kleinen, griechischen Katzenbabys. Eins vorweg - es gibt ein Happy End! Doch wie würdet Ihr den Kleinen nennen? Welchen Namen würdet Ihr bevorzugen?

zum ersten Teil der Geschichte

Wir schleppten nun unsere Transporttasche mit Katze über die ausgedehnte Ruinenanlage. Es folgte eine zweite Nacht mit viel Geschrei und wenig Schlaf. Aber jetzt hatten wir ja wenigstens die richtige Nahrung. Ich hoffte, dass es sich bei unserem Schützling um einen Kater handeln würde. Dann könnte man ihn Minos nennen – nach dem sagenhaften kretischen König, der in Knossos gelebt hat. Das passt doch gut und klingt auch noch schön. Schließlich habe ich griechische Geschichte studiert und bin ein echter Fan antiker Ruinen und ganz besonders derer von Knossos. Minos – das lässt sich auch gut rufen.

Am nächsten Tag hatte sich immer noch niemand über facebook gemeldet, dem wir den Kleinen aufs Auge hätten drücken können. Wir wollten ihn ja durchaus gerne am Ende des Urlaubs mit nach Hause nehmen und ggfs. in Deutschland vermitteln (oder eben behalten ….). Aber ich mochte ihn jetzt nicht den ganzen Urlaub über mit uns herumschleppen und immer heimlich mit ins Hotelzimmer schmuggeln müssen. Schließlich hatte der Urlaub ja gerade erst begonnen!

Am frühen Abend des nächsten Tages konnten mein Sohn Darius und ich (nach einer langen Wanderung und Kletterpartie durch eine Schlucht, immer mit unhandlicher  Katzentransporttasche!!) den Kleinen endlich dem Tierarzt von Stalis vorstellen. Der hat nämlich immer erst ab spätem Nachmittag seine Praxis offen, aber dafür auch samstags. Für eine gemeinsame Heimreise mit Katze brauchten wir ein Gesundheitszeugnis. Doch der Tierarzt war entsetzt, weil das Kätzchen so unglaublich klein war und wollte deswegen zunächst kein Gesundheitszeugnis ausstellen. Er ließ sich aber darauf ein, sich das Baby noch einmal eine Woche später anzuschauen und mir dann die notwendigen Papiere für eine Ausreise ohne Impfung auszustellen. Denn impfen konnte man unseren Schützling natürlich vorerst noch nicht. Der Veterinär schätze ihn – genau wie übrigens der Mann vom Pet Shop zwei Tage zuvor – auf höchstens vier Wochen und meinte, eine Mutter hätte der Kleine schon länger nicht mehr gesehen, so dünn wie er war. Im Gegensatz zu mir konnte der Veterinär natürlich auch das Geschlecht erkennen: „Male“! Ein kleiner Kater also. Minos. Mein Mini-Minos!

Der Tierarzt – der übrigens über Leishmaniose promoviert hat - gab mir die Tel.-Nr. einer Mrs. Linda. Das sei die Katzenmutter des Ortes, die den Kleinen evtl. aufnehmen und bis zu unserer Abreise päppeln könnte, meinte er. Das Kerlchen müsse wirklich ganz ganz dringend zunehmen, sei aber ansonsten „of good health“. Na, wenigstens etwas. Jetzt schleppten wir ihn schon seit gut drei Tagen mit uns herum. Er hatte sich an uns gewöhnt, hatte vor uns „Riesen“ inzwischen keine Angst mehr und nutzte immer häufiger ganz professionell ein improvisiertes Katzenklo, das wir tagsüber, wenn wir unterwegs waren, in einer Plastiktüte auf dem Balkon unseres Zimmers versteckten. Mein Mann war begeistert, was in so einem kleinen Kätzchen alles schon so einprogrammiert ist. Da können sich Hundewelpen echt eine Scheibe davon abschneiden!

Kurz gesagt, ich schob es immer wieder auf, diese Linda anzurufen, bis es sich schließlich gar nicht mehr lohnte. Die hat bestimmt schon mehr als genug zu tun, dachte ich mir. Und das Katerchen weiß jetzt, wie es so mit uns läuft; da müsste er sich nur unnötig umgewöhnen. Am Ende würde er vielleicht weinen, weil Linda sich ja nicht rund um die Uhr um ihn kümmern kann. Die hat ja schließlich noch andere Pfleglinge. Und im schlimmsten Fall steckt er sich – ungeimpft wie er ist – auf einer Pflegestelle mit anderen Tieren auch noch mit etwas an. Sicher ist es besser, wenn er bei uns bleibt.

Nur während der Mahlzeiten im Hotel ließen wir ihn alleine auf dem Zimmer. Dann schaltete ich ihm aber immer den Fernseher ein, damit er Stimmen hört und sich nicht so einsam fühlt. Und auch, damit die Stimmen etwaiges Gejammer von ihm möglichst übertönen und die Zimmermädchen nicht einfach den Raum betreten, weil sie ja denken, da ist jemand drin, wenn das Fernsehen läuft. Außerdem habe ich mir das von den Tierheimen abgeguckt: Da läuft in den Katzenzimmern ganz oft ein Radio, für die ängstlich-scheuen Samtpfoten, um sie an das Ambiente von uns Menschen zu gewöhnen, für die anhänglich-zutraulichen Vertreter, um ihnen das Gefühl der Gesellschaft zu geben. Ich weiß bis heute nicht, ob die Zimmermädchen gemerkt haben, dass wir zehn Tage lang eine Katze beherbergten. Wir gaben und jedenfalls alle Mühe, nicht aufzufallen und putzen oft und viel.

Direkt hübsch war der kleine Kerl eigentlich nicht; er bestand aus riesigen Glubschaugen, hatte kaum Körper. „Dobby  soll er heißen“, meinten deswegen nicht nur meine Kinder, sondern auch die meiner Freundin, sowie meine Freundin und ihr Lebensgefährte und schließlich auch mein Mann. Und gerade den wollte ich in der Katzenangelegenheit natürlich unbedingt bei Laune halten! Für die, die Harry Potter  nicht kennen: Dobby ist darin eine wichtige, wenn auch tragische Figur, mit der unser kleiner Reisegefährte eine ganz eindeutige Ähnlichkeit hatte. „Dobby!“ antwortete schließlich auch unsere älteste Tochter Charlotte, die zu Hause Hund und Katz‘ und Wellensittiche hütete, knapp per WhatsApp, als ich ihr die Alternativen Dobby  und Minos mitteilte. Ein ganz eindeutiges Votum also. Komplett überstimmt. Ich musste mich geschlagen geben. Wie war das  früher doch so einfach, als ich noch alleine entscheiden konnte, wie meine Findlinge heißen sollen!

Am Strand war Dobby eine echte Bereicherung. Er versuchte schon bald nicht mehr vor uns davonzulaufen, sondern suchte stattdessen sogar immer Schutz und Deckung bei uns. Und Körperkontakt ja sowieso! So viel wie möglich. Wenn Darius ihm im Sand herrliche Burgen und Brücken baute, probierte er sie mit Feuereifer immer sofort aus und spielte ganz prima mit – sehr zu Darius‘ Freude. Nach einer Woche, in der Dobby noch die Ruinen von Phaistos und Malia, den berühmten Palmenstrand Vai, diverse Klöster und andere Ausflugsziele kennengelernt sowie den kretischen Nationalfeiertag miterlebt hat, hatte er jedoch kaum zugenommen, sah allerdings schon viel viel besser aus und war von Tag zu Tag munterer, flotter und beweglicher geworden. Er kämpfte, tobte, spielte und schnurrte, was das Zeug hielt. Oft tat es mir leid, dass er keine Geschwister mehr hatte, die natürlich viel besser mit ihm hätten spielen können als wir – obwohl wir unser Bestes gaben.

Die teure Welpenaufzucht-Milch hätte ich mir eigentlich fast sparen können. Schon nach drei Tagen war  Dobby  daran überhaupt nicht mehr interessiert, sondern bevorzugte eindeutig Geflügel und Fisch, möglichst frisch vom Buffet. Was schon ein bisschen länger in seinem Näpfchen gelegen hatte, strafte er mit Verachtung. Ganz schön unverschämt für einen Fundkater, der noch vor wenigen Tagen kurz vorm Hungertod stand. Was er nicht mehr mochte, trug ich tagtäglich diskret zu den genehmigten Futternäpfen vor dem offiziellen Katzenschutzhäuschen des Hotels, wo sich gleich mehrere Gartentiger immer sehr freuten und trotz zuverlässiger reichhaltiger Fütterung seitens der örtlichen TierschützerInnen gleich draufstürzten. Auch die Welpenaufzucht-Milch, die ich angerührt aber Dobby eben nicht angerührt hatte und die ich nicht einfach wegkippen wollte, fand hier großen Anklang, war sie doch eine attraktive Ergänzung zum täglichen Trockenfutter in ihren Schälchen. Die Spezialmilch konnte ja nicht schaden, dachte ich, und jung waren die Hotelkatzen schließlich ja auch noch!

Weil unsere Urlaubsbekanntschaft allerdings immer noch klitzeklein und rappeldürr war, hatte ich echt ein bisschen Angst vor dem nächsten und entscheidenden Arzttermin, der einen Tag vor unserem Rückflug stattfinden sollte.  Was, wenn der Veterinär dem Kleinen kein Gesundheitszeugnis ausstellen würde? Die Saison näherte sich in großen Schritten ihrem Ende. Am Tage unserer Abreise schloss auch unser Hotel. Alles andere um uns herum, Souvenirläden, Supermärkte, Bars, Restaurants, sogar das Bimmelbähnchen, hatten schon dicht gemacht. Es würde nach uns so gut wie keine Flugpaten mehr geben, die uns den Kleinen nach Deutschland hinterherbringen würden. Ich nahm Darius (11) wieder mit zum Tierarzt, damit er da notfalls losheulen kann, falls der Veterinär Dobby für nicht reisefähig halten sollte. Doch das war gar nicht nötig, war doch der Herr Doktor  begeistert von unserem putzmunteren Kerlchen. Er beglückwünschte uns dafür, dass wir das ohne Mrs. Linda so gut hingekriegt hatten. Als ich besorgt auf Dobbys Nach-wie-vor-Fliegengewicht hinwies, verpasste er ihm die erste Dosis einer Wurmkur. Und ehe ich mich versah, gab‘s außerdem eine Ladung Kriechöl gegen Flohbefall ins kleine Genick. Ich fand ja, dass Dobby dafür eigentlich noch ein bisschen zu jung war und hatte deswegen extra das Anti-Floh-Spray speziell für Welpen gekauft.

Dobby bekam sein Gesundheitszeugnis (Auf Kreta gibt es keine Tollwut; das macht alles einfacher!) und gleich noch den Mikrochip. Seitdem trägt er nun seinen Personalausweis unterm spärlichen Fell. Auweia, seine Identifikationsnummer muss ich ja ganz dringend noch bei TASSO  melden und registrieren lassen; das werde ich schnellstens erledigen. Das vergisst man leicht …. Dobby war nach wie vor so winzig, dass ich seinen Mikrochip fast in meine Finger bekommen hätte, als ich den kleinen Patienten bei der Injektion für den Tierarzt festhielt. Obwohl noch nicht impffähig bekam Dobby dennoch schon einmal einen blauen internationalen Impfausweis. Der macht bei der Zollkontrolle bestimmt einen guten Eindruck und wird dann später von meiner Tierärztin genutzt werden.

60 € hat der Tierarztbesuch mit allem Drum und Dran übrigens noch einmal gekostet. Ausgaben, die ich gerne investiert habe. Als niedergelassener Veterinär hat man es in Griechenland bestimmt nicht leicht und ist wahrscheinlich froh über jeden Euro, den man einnimmt. Ganz anders jedoch die 40 € „Bearbeitungsgebühr“ (!) für den Rückflug mit TUI Fly: Die diesbezügliche Anfrage der hilfsbereiten tierlieben Hotelangestellten war in Sekunden erledigt gewesen. Und trotzdem musste ich für die Mitnahme einer kleinen Transporttasche mit fliegengewichtigem Katzenkind im Handgepäck (!) 40 € zahlen!! Das empfinde ich echt als schlimme Abzocke. Das muss ich mal an TUI  schreiben und mich beschweren!

Heute ist der kleine Kater nun schon seit fast 6 Wochen bei uns zu Hause. Mein Mann meint, inzwischen hätte er doch schon ganz schön zugenommen. Aber er schläft immer noch nicht durch. Und was unsere anderen Tiere zu dem griechischen Mitbringsel gesagt haben und wie sie bisher noch immer reagieren, das erzähle ich demnächst an dieser Stelle, also FORTSETZUNG FOLGT!

Bis dahin habe ich jedoch eine Frage an Sie, an Euch, die Sie/Ihr gerade diesen Text hier gelesen habt: Auf welchen Namen hätten Sie/hättet Ihr den Kleinen getauft: Minos oder Dobby? Ich bitte um Meinungen!!!

Dankeschön und einen ganz lieben Gruß von Claudia Ludwig

zum ersten Teil der Geschichte

Du möchtest dieses Video auf Deiner Seite einbinden? Kopiere einfach einen der beiden Links und füge diesen in den Quellcode Deiner Seite ein. Du hast Fragen zum Einbinden? Sende uns eine Mail an redaktion (at) tiervision.de!