Claudia Ludwig und ihre Familie waren im Urlaub auf Kreta und plötzlich trat ein kleines Katzenbaby in ihr Leben. Claudia berichtet hier exklusiv über die Erlebnisse und die dramatische Rettung.

Vor einem Jahr, liebe Zuschauer und Tierfreunde, habe ich – wie viele von Ihnen/Euch ja wissen - in unserem Türkei-Urlaub während der hessischen Herbstferien eine erst wenige Monate alte völlig verängstigte Mischlingshündin gefunden, mit viel Mühe angefüttert, eingefangen und bis zur Fertigstellung aller Ausreiseformalitäten, Impfungen und Untersuchungen in einem privaten Tierheim bei einer Tierschützerin namens Fatma in der Nähe von Izmir untergebracht.  Ein gutes Dreivierteljahr hat es gedauert, bis ich Ende Juni abermals nach Izmir fliegen und unsere Layla – ganz schön gewachsen in der Zwischenzeit – endlich zu uns nach Hause holen konnte. Zwei kleine Filme auf www.tiervison.de  in „Claudias Tiervermittlung“ und „Pfotenhilfe – die Tiervermittlung“ erzählen Laylas Geschichte. Und sehr viele Zuschauer haben Anteil daran genommen.

So, und kaum hat sich die nach wie vor ziemlich unsichere Layla als Dritthündin bei uns einigermaßen eingelebt, stand auch schon wieder der nächste Herbstferien-Urlaub auf dem Programm.  Diesmal ging es nach Griechenland. In der zweiten Oktoberhälfte flogen wir nach Kreta und fuhren dort mit unseren beiden jüngeren Kindern und einer befreundeten Familie in zwei kleinen Mietwagen kreuz und quer über die fünftgrößte Mittelmeerinsel, auf der es ja bekanntlich ganz besonders viel zu besichtigen gibt.

Ich war erleichtert, dass - mit einer Ausnahme - alle Hunde, die wir unterwegs sahen, in recht gutem Zustand waren. Viele hatten Besitzer, und für die Streuner sahen wir etliche Futterstellen. Auch die Katzen machten einen gepflegten und gesunden Eindruck, kein Vergleich zu früher und immerhin ein gutes Zeichen, auch wenn man leider immer noch keine alten Tiere sieht. In unserem Hotel in Stalis gab es sogar ein gepflegtes Futter-, Schlaf- und Schutzhäuschen für die Samtpfoten. Eine nette Hotelangestellte aus Deutschland fungiert als Kontaktperson zum Tierschutz und berichtete mir von Katzenkastrationsaktionen und der erfolgreichen Vermittlung des einen oder anderen Hundes oder mancher Katze nach Deutschland. Es hat sich also schon einiges zum Besseren geändert, was den Umgang mit Haustieren, Strandhunden und Straßenkatzen in Griechenland angeht. Wir stellten uns sofort als Flugpaten zur Verfügung.

Als unerträglich empfand ich allerdings nach wie vor den Anblick zahlloser einsamer Kettenhunde sowie die vielen überfahrenen Hunde und Katzen an den Straßenrändern, vor allem im Landesinneren. Auf dem Weg ins berühmte Hippie-Paradies Matala an der Südküste war es besonders schlimm: Vier tote Hunde und mindestens genauso viele Katzen rechts und links der Landstraße verdarben mir die Stimmung. Es war die erste Tour mit unserem Mietwagen; wir waren erst seit wenigen Tagen auf der Insel. Im Mietwagen war kein Scheibenwischwasser. Das sollte wahrscheinlich so sein - und rettete einem kleinen Kater mit ziemlicher Sicherheit das Leben!

Wir fuhren an eine Tankstelle, um das Wasser aufzufüllen. Das Auto unserer Freunde folgte uns. Es war regnerisch und für kretische Verhältnisse vergleichsweise kalt. Die Tankstelle lag relativ einsam an der Landstraße; es gab keine richtige Ortschaft in der Nähe. Während mein Mann und unsere Freunde tankten, stieg auch ich aus, um Wasser zu holen. Da hörte ich es: ein schrecklich klägliches Schreien, das wohl ein Miauen sein sollte. Ich stellte die Gießkanne neben das Auto, holte Wurst und Fleischstückchen, die ich in südlichen Ländern immer dabei habe, und machte mich auf die Suche nach dem Tier, das da so jämmerlich auf sich aufmerksam machte. Dazu musste ich die Landstraße überqueren. Ich ging in die richtige Richtung. Denn das Schreien wurde immer lauter und deutlicher. Da traf mich fast der Schlag, als ich sah, woher es kam! Ein wirklich winziges Katzenbaby, nass, zerzaust, fast noch ohne Fell, saß am Straßenrand und schrie ununterbrochen. Da konnten meine Wurstscheiben wenig helfen. Das Kerlchen bestand fast nur aus Kopf und Augen. Der Blick war jedoch trübe, der Gesamtzustand katastrophal.

Mit letzter Kraft versuchte das Kätzchen jedoch, vor mir wegzulaufen, als ich nach ihm greifen wollte und verkroch sich ins Dickicht. Ich hatte keine Schuhe an und konnte deshalb nicht gleich hinterher. Ich rief über die Straße nach meinen Kindern und denen meiner Freunde. An meiner Stimme erkannten sie sofort den Ernst der Lage und kamen über die Straße zu Hilfe. „Da an dem Baum hat sich eine winzige Katze verkrochen. Guckt mal, ob ihr sie findet. Wenn ihr sie nicht fangen könnt, behaltet sie im Auge. Ich muss schnell zum Auto und Schuhe anziehen!“ Sofort umzingelten die Kinder, zwei Jungs und zwei Mädchen Baum und Gebüsch. (Auf dem Foto oben seht Ihr Claudias Tochter Amelie mit dem Katzenbaby)

Als ich mit Schuhen an den Füßen wieder zurückkam, sagte meine Tochter Amelie: „Sie ist da in dem Baumloch, aber ich habe mich nicht getraut, sie herauszuziehen, damit ich ihr nicht wehtue.“ Sie deutete auf die Stelle, an der man das Hinterteil des Kätzchens sah. Ich konnte es problemlos herausholen und auf den Arm nehmen. Es war in der Tat unglaublich klein und brauchte zweifelsohne noch seine Mutter. Wir suchten die Umgebung ab, hielten Ausschau nach einer Mutter sowie möglichen Geschwistern. Nichts. Wir liefen zur Tankstelle und fragten dort nach. Wir wollten wissen, ob es vielleicht irgendwo eine Katzenmutter gibt. Nichts. Es begann zu regnen. Wir waren ratlos. Keinesfalls konnte man das Kerlchen hier einfach sitzen lassen. Es war völlig ausgemergelt und wäre mit Sicherheit früher oder später auch auf die stark befahrene Straße gelaufen. Also packten wir es kurzerhand mit ins Auto.

„Im Hotel“, beruhigte ich meinen Mann, „werde ich es der Frau geben, die die Leute vom Tierschutz kennt. Die werden es aufnehmen und päppeln.“ Doch die Wege auf Kreta sind weit, und als wir abends im Hotel ankamen, war das Büro der Tierfreundin bereits geschlossen. Und an der Rezeption konnte mir auch niemand helfen. So nahmen wir das Katzenbaby mit aufs Zimmer und gaben ihm Wasser, Milch und zerpflückte winzige Fleischstückchen. Für eine Nacht ging das. Es aß wenig, schluckte jedoch etwas Wasser und Milch, vor allem, wenn ich sie seitlich in die Lefzen tröpfelte. Flüssigkeit aufnehmen, das wusste ich, ist besonders wichtig. Schließlich hatte ich als Studentin schon einmal einen erst drei (!) Wochen alten Hundewelpen erfolgreich mit der Flasche zum stolzen Schäferhund großgezogen. Dennoch bereitete ich die Kinder vorsichtshalber darauf vor, dass es durchaus sein kann, dass wir die kleine Katze nicht durchbringen. Welpen sterben mitunter schnell.

In der Nacht war kaum an Schlaf zu denken. Das Katzenkind schrie, wie Babys das eben so tun, genoss aber Wärme und Körperkontakt und sah am nächsten Morgen schon etwas besser aus. Die freundliche Hotelangestellte konnte mir allerdings wenig Hoffnung machen, jemanden zu finden, der ein so kleines Katzenbaby, das noch nicht überlebensfähig ist und noch nicht alleine Nahrung aufnehmen kann, aufnehmen und versorgen kann. Dennoch startete sie netterweise eine facebook-Aufruf. Doch die TierschützerInnen der Region waren schon überbelegt und kräftemäßig an der Grenze der Belastbarkeit. Da ich die Zustände in südlichen Ländern sehr gut kenne, glaubte ich das sofort und nahm die kleine Katze wieder mit.

Unterwegs zum minoischen Palast von Knossos in der Nähe der Hauptstadt Heraklion hielten wir an einem der inzwischen in Griechenland erstaunlich weit verbreiteten Pet Shops an, und ich investierte 65 € für eine Transporttasche, ein Fläschchen-Set mit verschiedenen Saugern und kleiner Reinigungsbürste, Flohmittel (speziell für Welpen!) sowie – das Wichtigste von allem – Welpenaufzucht-Milchpulver. Dass ich das nun hatte, beruhigte mich etwas, was die Überlebenschancen des Schützlings angingen. Denn keinesfalls darf man so ein Jungtier auf Dauer mit Kuhmilch und Essensresten füttern. Sein erstes Fläschchen bekam der Findling nun an einem weltberühmten und ausgesprochen mythischen Ort: in der Palastanlage von Knossos. Genauer gesagt in der dazugehörigen Cafeteria. Dort ließ ich mir warmes Wasser geben, um die Welpenmilch anzurühren. Eine französische Reisegruppe machte Fotos und deren kleine Kinder fragten besorgt und voller Anteilnahme, wo wir das Kätzchen her haben und ob wir es mit nach Hause nehmen werden. Meine Tochter Amelie beantwortete geduldig alle Fragen. Denn grundsätzlich möchten wir natürlich auch andere Touristen ermuntern, nicht wegzusehen, wenn sie ein am Urlaubsort ein Tier in Not entdecken. Und innerhalb der EU ist es ja gar nicht so kompliziert, ein gerettetes Tier mitzunehmen.

Dies war der erste Teil - hier gehts zum 2. Teil!

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