Sie wollen sich eine Katze anschaffen? Oder vielleicht haben Sie schon eine und benötigen nur ein paar Tipps, weil es Probleme gibt? Heute ist unser Thema die artgerechte Katzenhaltung. Cornelia Kuhn gibt entsprechende Tipps.

Die Überlegungen zu  einer artgerechten Haltung von Katzen sollte man schon vor Anschaffung der Tiere anstellen. Nicht nur das Platzangebot in den eigenen vier Wänden ist ausschlaggebend, sondern auch das Bewusstsein, eine Verantwortung von bis zu 25 Jahren zu übernehmen.

Kommt man allen artgerechten Bedürfnissen nach, sorgt für eine natürliche Ernährung und kümmert sich auch um das gesundheitliche Wohl,  hat man viel Spaß und eine lange, gemeinsame Zeit mit seinem tierischen Mitbewohner. Da unsere Haustiere zwar mitunter Mäuse, aber kein Geld mit nachhause bringen und wir die Verantwortung für sie übernommen haben, sollten wir immer daran denken, dass dies auch finanzielle Auswirkungen hat. Es ist keinem Tier geholfen, wenn nur der gute Wille, Liebe und Sympathie vorhanden sind. Das ganze „Drumherum“ muss man auch finanzieren können. Man will das liebgewonnene Tier ja nicht wieder abgeben, wenn Kosten auf einen zukommen, die man vorher nicht mit eingeplant hat. Leider kommen auch solche Fälle viel zu oft vor.

Für die Haltung einer Einzelkatze wird von einigen Seiten empfohlen, dem Tier mindestens 35 qm Fläche zur Verfügung zu stellen. Ist jedoch Besuch zu Gast, oder möchte die Katze einfach mal ihre Ruhe haben, kann das Revier schnell zu klein werden. Aus eigenen Erfahrungen kann ich sagen, dass mindestens 45 qm die bessere Wahl sind.  Artgerecht ist sicherlich auch, dass das Tier Freigang bekommt. Da dies nicht allen von uns möglich ist, weil nicht jeder zu ebener Erde wohnt, kann ein katzengerecht eingerichteter Balkon einen gewissen Ausgleich für fehlenden Freigang schaffen. Ein Katzennetz zur Sicherung vor einem Absturz gehört unbedingt dazu. Auch wenn der Balkon nicht allzu hoch liegt, sind auch hier schon Katzen verunglückt. Der Wind hat Ihnen die Beinchen weggezogen und verhindert, dass sie sich vor dem Aufprall entsprechend drehen konnten, um auf ihren Pfoten zu landen.

Besser jedoch für die Katzenhaltung –speziell ohne Freigang- ist die Haltung von zwei Katzen. Sie sollten sich am besten schon kennen, z.B. zwei Tiere, die im Tierheim immer beieinander lagen oder Geschwister aus einem Wurf.  Bei zwei fremden Tieren ist die richtige Eingewöhnung sehr wichtig.  Denn hat sich erst einmal eine Abneigung gegen den oder die „Neue“ entwickelt, so ist diese oftmals nur durch gezielte zeitaufwendige Verhaltenstherapie wieder abzubauen.

Es darf nicht übersehen werden, dass Katzen eigentlich Einzelgänger sind und ein eigenes Revier beanspruchen. Sie müssen also nicht unbedingt gleich von dem „Neuling“ begeistert sein, mit dem sie jetzt ihr Revier teilen sollen. Ein  zweites Tierchen unbedarft dazuzusetzen mit dem Hintergedanken dadurch einen Spielgefährten für das erste Tier zu haben, ist aus menschlicher Sicht gut gemeint. Kann jedoch zu Auseinandersetzungen,  schweren Kämpfen und Unsauberkeit führen. Denn jetzt wird der ersten Katze ihr Territorium streitig gemacht; sie will es evtl. verteidigen und setzt im schlimmsten Fall Urinmarkierungen, um ihr Revier zu markieren und sich dadurch sicherer zu fühlen und.  Um nicht allein vom Glück oder Zufall abhängig zu sein und den Tieren unnötigen Stress zu ersparen kann man sich für die Zusammenführung zweier Tiere  professionelle Hilfe bei einem Tierheilpraktiker oder Tiertherapeuten holen. Dieser setzt dann behutsam eine Zusammenführung um.

Es gibt jedoch auch absolute Einzeltiere die niemals stressfrei leben werden mit einem zweiten Tier im Haushalt.

Und jetzt zu den Fakten und dem „Drumherum“

Die Katzentoilette sollte eine Größe von mindestens 45 x 55 cm aufweisen bzw. bei großen Tieren, wie Main-Coon´s oder Norwegischen Waldkatzen ca. 50 x 70 cm. Da die Katze kein „Höhlenpinkler“ ist, sollte die Toilette ohne Haube sein, denn ein Überbau ist beengend für das Tier. Eine Haube verhindert auch eine natürliche aufrechte Haltung beim Kotabsatz und wurde nur für das ästhetische Empfinden von uns Menschen konzipiert. Ganz wichtig ist es, dass die Toilette ohne Schwingtür aufgestellt wird. Mit einer Schwingtür kann es zu einem Geruchsstau kommen, der die Katze dazu veranlassen könnte, ein anderes Örtchen für ihr Geschäft aufzusuchen. Auf jeden Fall ist es für das Katzennäschen unzuträglich.

Auch Buddeln und Scharren ist artgerecht.  Dabei kann es passieren, dass die Einstreu auch mal neben der Toilette landet. Je kleiner die Toilette, desto höher die Wahrscheinlichkeit für die Zielverfehlung des Tieres.

Unbedingt sollte auch geruchsneutrale Einstreu verwendet werden; zugesetzter Duft ist absolut abzulehnen und auch nur für das menschliche Empfinden hergestellt.  Es kann sogar  zu Allergien bei der Katze kommen. Unsere Katzen haben 200 Millionen Riechsinneszellen; wir hingegen nur 10-30 Millionen. Dieser Unterschied ist für die Katzen mehr als ein Problem, wenn Babypuder oder Rasenduft in der Toilette den Vorrang haben.

Für alte, ganz junge oder arthritische Katzen sollte der Rand der Toilette etwas niedriger gewählt werden.

Es sollte in einem Mehrkatzenhaushalt immer eine Toilette mehr vorhanden sein, als Katzen im Haushalt leben. Denn Katzen setzen draußen nie an einer Stelle Urin und Kot ab! Jede Katze benötigt also zwei Katzentoiletten, die nur mit einem Abstand aufgestellt auch zwei Toiletten für das Tier darstellen. Zu eng oder direkt nebeneinander ist für sie nur eine Toilette!

Die Einstreu sollte ca. 4cm hoch sein, damit das Tier seine Hinterlassenschaft auch artgerecht verscharren kann.

Die Toiletten sollten an einem ruhigen Ort stehen; nicht etwa neben Hausgeräten, wie Waschmaschine o.ä.   Wenn der Platz einmal gefunden wurde, sollte möglichst nicht umgestellt werden, sonst entscheiden sich manche Katzen auch komplett für eine neue Stelle. Der Blick aus der Toilette sollte frei für das Tier sein, um etwaige Störenfriede beobachten zu können; so hält sie es in der Natur. Für sie ist es nicht unangenehm dabei gesehen zu werden; sie will alles beobachten können, was in der verletzlichen Phase des Kotabsatzes passiert. Die Möglichkeit zur Flucht sollte sie einschätzen und nutzen können. Dies können z.B. auch andere Katzen im Haushalt sein, durch die sie vielleicht Stress hat oder die sie einfach nicht in ihrer Nähe haben möchte beim Toilettengang.

Auch auf die Sauberkeit sollte Wert gelegt werden und bei Klumpstreu 1-2 x täglich eine Entfernung der Klumpen vorgenommen werden. Nach einer Woche sollte eine Grundreinigung der Toilette mit neuer Einstreu erfolgen. Geruchsneutraler Reiniger (Wasser, Spülmittel und Essigessenz/ Alkohol) erfüllt den Zweck. Und auf  Reiniger mit Ammoniak oder Duftzusätzen sollte verzichtet werden.

Futter- und Wassernapf sollte getrennt voneinander stehen, denn in der Natur geht eine Katze an die separat liegende Wasserstelle. Stehen beide Näpfe nebeneinander, kann es sein, dass zu wenig Wasser aufgenommen wird.  Wasser alleine ist auch ausreichend für den Flüssigkeitsbedarf der Katze; Milch ist ein Aufzugsprodukt von Welpen und ist nicht nötig für eine ältere Katze, denn speziell die Laktose ist nicht immer verträglich. Auch sollten Näpfe nicht neben der Toilette stehen, nur weil es für den Besitzer passend ist. Wir würden auch nicht gerne auf der Toilette essen.

Ein passender Kratzbaum für die Mieze sollte immer größer als die ausgestreckte Katze sein! Ein Kratzbaum dient zum Markieren des Katzengebietes und sollte deshalb nicht versteckt in der hintersten Ecke aufgestellt werden. Er sollte sicher vorm Umkippen stehen. Denn hat die Katze einmal die Erfahrung gemacht, dass ihr Baum wackelig ist oder sogar umkippt, könnte sie sich entscheiden ihn zu meiden und anderswo zu kratzen, z.B. an der Couch oder an Wandecken. Für Wandecken gibt es vorgefertigte Kratzmatten, die man einfach an die von der Katze „ausgewählte“ Ecke anbringen kann.  Beobachten Sie auch das Kratzverhalten Ihrer Katze: kratzt sie lieber horizontal oder vertikal? Danach entscheiden Sie, ob sie ihr ein Kratzbrett auf den Boden legen oder eines an die Ecke der Wand anbringen. Bei der Anbringung unbedingt darauf achten, dass keine spitzen Gegenstände vorstehen, wodurch sie sich die Pfoten verletzen könnte.

Gebrauchte Kratzbäume werden oft nicht gerne angenommen, weil bereits Markierungen von anderen Tieren gesetzt wurden; auch dies kann eine Katze davon abhalten, das neue Bäumchen anzunehmen.

Jede Katze bevorzugt einen anderen Schlafplatz; manche wechseln auch gerne. Liegen mal auf der Couch, mal auf dem Küchenstuhl und mal in der Kuschelhöhle. Andere bevorzugen ein Plätzchen in luftiger Höhe auf einem Kratzbaum. Es sollten verschiedene Liege- und Schlafangebote vorhanden sein und auch die dritte Ebene berücksichtigt werden, die für Katzen wichtig ist, d.h. neben dem Kratzbaum auch noch andere Erhöhungen, auf die sie sich flüchten können bzw. von denen sie eine gute Aussicht haben.

Auch verschiedene Spielsachen sind für Katzen wichtig. Neue Anreize sollten geschaffen werden. Man kann Naturmaterialien mit nach Hause bringen (Kastanien, raschelndes Laub) oder schon fertiges Spielzeug aus dem Fachgeschäft holen, wie z.B. eine Reizangel oder Bälle. Man sollte immer wieder abwechseln; nicht jedes Spielzeug immer zur Verfügung stellen. Und interessanter ist es natürlich, wenn der Mensch mitspielt und Bewegung ins Spiel bringt. Vermeiden sollte man von Anfang an das aggressive Spielen mit den Händen. Ist das Kätzchen einmaldran gewöhnt, dass sie in Hände krallen und beißen darf, wird sie nicht verstehen, warum sie das nicht mehr darf, wenn sie älter ist. Hier stellt man das Spiel rigoros ein; sie wird es begreifen, dass dann das Spiel zu ende ist.

Dies sind Empfehlungen, die eine artgerechte Katzenhaltung darstellen. Es ist natürlich immer individuell, ob sich die eine oder andere Katze auch mit weniger guten Bedingungen zufrieden gibt und wie anspruchsvoll der Vierbeiner ist. Sobald aber z.B. ein Unsauberkeitsproblem auftritt und das Tier nicht mehr an seinen vorgesehenen Platz pinkelt, sollten alle oben aufgeführten Empfehlungen zur vollen Zufriedenheit des Tieres eingerichtet werden. Denn erste wenn die Grundvoraussetzungen in der Haltung stimmen kann man feststellen, ob bzw. welches seelische Problem bei dem Tier eventuell vorliegt. Tierheilpraktiker und Katzentherapeuten sind hier die richtigen Ansprechpartner, um sich Rat zu holen. Es liegt hier in der Verantwortlichkeit des Menschen, für die entsprechenden Gegebenheiten zu sorgen. Auch wenn Katzen schon seit tausenden von Jahren gemeinsam mit uns leben, sind Wohnräume nicht die natürlichen Umgebungen, die den eigentlichen Bedürfnissen entsprechen.  Da wir aber diese liebenswerten Geschöpfe bei uns haben wollen, ist es eigentlich nicht schwer, es ihnen so behaglich wie nur möglich bei uns einzurichten.

Ich hoffe, hier meinen Teil dazu beigetragen zu haben, Ihnen alle Aspekte der artgerechten Katzenhaltung näher gebracht zu haben. Und ich wünsche mir, dass Sie den einen oder anderen Tipp zur eventuellen Verbesserung des Zusammenlebens mit Ihrem Vierbeiner umsetzen können. Ich wünsche Ihnen viel Spaß und viel Zeit mit Ihrem schnurrenden Mitbewohner.

Autor: Cornelia Kuhn, Geprüfte Tierheilpraktikerin (VdT) – www.mobile-tierheilpraxis-kuhn.de

Du möchtest dieses Video auf Deiner Seite einbinden? Kopiere einfach einen der beiden Links und füge diesen in den Quellcode Deiner Seite ein. Du hast Fragen zum Einbinden? Sende uns eine Mail an redaktion (at) tiervision.de!