Die Schockdiagnose „Rückenmarksinfarkt“ beim Hund . Was nun tun und wie sieht eine physiotherapeutische Therapie bei so einer Diagnose aus?

Kurz zur Erklärung was ein Rückenmarksinfarkt ist.

Unter Rückenmarksinfarkt versteht man eine Schädigung des Rückenmarks infolge einer Sauerstoffunterversorgung durch unzureichenden Blutzufluss. Eine Extremform ist der spinale Schock. Oft kommt es zu Lähmungen der Hinterbeine oder aller vier Extremitäten, je nachdem auf welcher Höhe der Infarkt ist.

Vor vier Wochen kam abends um halb neun noch ein Hundebesitzer mit seinem Hund in meine Praxis. Zur Vorgeschichte wusste ich nur dass er auf dem Hundeplatz in ein Mausloch getreten ist und danach das Bein eingeschient wurde und es eine Bandscheibenentzündung gibt.

Doch der Blick der sich mir dann bot, als er mit seinem Hund rein kam schockierte mich doch etwas. Der Hund konnte sein linkes Bein (das immer noch geschient war) gar nicht bewegen und nutze es auch nicht zum Gehen. Das rechte setzte er zu allem übel auch kaum ein. Immer wieder versuchte er vorwärts zu kommen, doch kippte rechts und links mit seinem Becken immer auf den Boden.

Nachdem ich die Schiene entfernt habe und darunter kaum Muskulatur mehr zu sehen war, schickte ich den Besitzer in eine gute Tierklinik und kündigte ihn dort an.

Nach der Diagnose Rückenmarksinfarkt empfahl auch die Ärztin Physiotherapie mit dem Hund zu machen 3x wöchentlich. Im schlimmsten Fall sprach sie aus den Hund von seinen Qualen zu erlösen, wenn keine Besserung auftritt.

So begann ein Therapiemarathon, vor allem für den Besitzer.

Am Anfang sind diese 3 Ziele die wichtigsten:

  • Schmerzlinderung, Erhalt der Beweglichkeit der hinteren Extremität und Verbesserung der Nervenfunktionen. Ich gab dem Besitzer von Anfang an immer reichliche Hausaufgaben mit, leihte ihm mein Elektrogerät um täglich dies anwenden zu können und empfahl die Gabe von Arnika Globulis.
  • Schon nach kurzer Zeit zeigte das linke Bein wieder kommende Reflexe. Der Hund machte schnell Fortschritte das hat er auf der einen Seite seinem jungen Alter von 4 Jahren zu verdanken auf der anderen Seite seines starken Willens leben zu wollen und der Geduld von seinem Besitzer.
  • Er bekam dann auch ein Hilfsgeschirr für Hinten mit dem wir auch in der Physiotherapie viel arbeiteten um ihn möglichst schnell wieder an die Belastung im Stand zu gewöhnen.

 

Nachdem er soweit wieder Stehen konnte, machten wir uns daran die verkümmerte Muskulatur wieder auf zu bauen. Durch Therapie im Pool konnte man zu sehen wie die Hinterbeine anfangen zu arbeiten und die Oberschenkelmuskulatur an Kraft gewinnt.

Begleitend wurde immer mit Magnetfeldtherapie gearbeitet und ergänzenden Physikalischen Maßnahmen.

Voller Stolz kann ich heute berichten, dass dieser Hund, ohne Hilfsgeschirr wieder stehen und gehen kann und er nur noch Schwächen zeigt, wenn er Stress hat oder sich überanstrengt.

Wir blicken weiter zuversichtlich nach vorne und sehen ihn nächstes Jahr schon wieder bei seiner Lieblingsbeschäftigung, dem fährten.

Es hat mir unendlich viel Spaß gemacht diesen Hund zu behandeln und das immer noch zu dürfen und ich habe größten Respekt vor dem Besitzer, der diese schwierige Zeit so gut gemeistert hat und sich für seinen Hund alles gab.

Geschrieben von Mirjam Knauer – Hundephysiotherapeutin

Erfahren Sie mehr über Hundephysiotherapie unter: www.hundephysio-praxispfote.com

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