Am 28. Juni 2015 ereignete sich ein Drama rund um den 4286 Meter hohen Berg Mount Bierstadt in den Rocky Mountains. Ein Schäferhund wird unfreiwillig zum Blitzableiter und rettet vier Menschenleben - verliert aber sein eigenes dabei.

Als Jonathan Hardman am Sonntag, 28. Juni, mit seinem Schäferhund Rambo und drei Freunden aufbricht, um den 4286 Meter hohen Berg Mount Bierstadt in den Rocky Mountains in der Nähe von Denver im US-amerikanischen Bundessstaat Colorado zu erklimmen, ahnt noch keiner von ihnen, welchen tragischen Ausgang der Tag nehmen wird. Sie ahnen nicht, dass sie am Abend alle nach einem plötzlich aufziehenden Unwetter im Krankenhaus liegen werden, dass Fellnase Rambo sein Leben verlieren wird. Getroffen vom Blitz. 

„Den ganzen Aufstieg über war wunderschönes Wetter“, erzählt Hardman im Interview mit dem US-amerikanischen TV-Sender 9NEWS. „Ich musste mir sogar erst kurz vor dem Gipfel ein Langarm-Shirt überziehen.“ Doch als die Gruppe um 10.30 Uhr den höchsten Punkt erreicht, ändert sich das Wetter plötzlich. Am zuvor strahlend blauen Himmel ziehen dunkle Wolken auf. „Beim Abstieg fing es dann an wie verrückt zu hageln“, erinnert sich Mary Prescott. „Es kam aus dem Nirgendwo und wir wussten nicht, wo wir uns unterstellen sollten.“

Ab diesem Punkt verschwimmen die Erinnerungen. „Ich erinnere mich nur noch an ein Licht, ein helles Licht, das auf den Boden traf, und ich fiel“, erzählt Prescotts Verlobter Will Chandler. Als er wieder aufsteht, liegen seine Freunde noch am Boden. Sie schreien, weinen. Hardman hilft gerade seinem Schäferhund Rambo beim Abstieg, als der Blitz einschlägt. „Ich fühle nur noch diesen intensiven, unglaublich starken Schmerz und das nächste, an das ich mich erinnern kann, ist, dass ich auf dem Boden aufwache und die Rückseite meiner Sonnenbrille mit Blut überströmt ist“, sagt der Hundehalter. „Ich konnte anfangs weder Hände, noch Arme oder Beine bewegen.“ Langsam kommt er wieder zu sich, bewegt seine Finger, die blau und lila angelaufen sind.

Erst als seine Freunde ihm zurufen, er solle am Boden liegen bleiben, ist Hardman wieder hellwach. „Wo ist mein Hund?“, schießt es ihm verzweifelt durch den Kopf. „Als ich hochblickte, sah ich ihn auf einem Felsen liegen“, erzählt Hardman. Leblos. Er schreit, versucht zu seinem Vierbeiner zu gelangen, doch seine Freunde halten ihn zurück, ziehen ihn unter einen Vorsprung in Sicherheit. „Ich konnte nicht aufhören, seinen Namen zu schreien“, sagt der 27-Jährige.

Als das Zentrum des Unwetters vorbeigezogen ist, setzt die Gruppe den Abstieg fort. Über fünf Kilometer müssen sie hinter sich bringen, bevor Rettungskräfte sie einsammeln und ins Krankenhaus bringen können – den Einsatz eines Helikopters lässt der Sturm nicht zu. Rambo lassen sie zurück, notieren sich lediglich die GPS-Daten. „Ich wollte nicht ohne meinen Hund gehen“, erklärt Hardman zwar, doch das Tier ist mit über 30 Kilogramm zu schwer, als ein Freund versucht, den leblosen Körper der Fellnase über seine Schultern zu hieven.

Im Krankenhaus stellen Ärzte später fest, dass Hardman direkt vom Blitz getroffen wurde. Eine Wunde am Hinterkopf zeugt vom Einschlag, astartige Muster auf seinem ganzen Körper zeichnen den Weg der elektrischen Ladung durch seinen Körper. „Meine Ärzte erklärten mir außerdem, dass Rambo und ich uns die elektrische Ladung geteilt haben, weil er direkt neben mir war“, erzählt der 27-Jährige. Hätte er den Blitzschlag alleine abbekommen, wäre er wohl gestorben. „Nur wegen ihm lebe ich noch“, erzählt Hardman mit Tränen in den Augen. Rambo wurde zum Blitzableiter. Und somit zum Lebensretter für sein Herrchen.  

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