Es sollte eine Lehrstunde im Namen der Tiere sein. Wie fühlt es sich an, an einem Sommertag wie ein Hund im geschlossenen Auto zurückgelassen zu werden? Doch jetzt hat ein Polizeibeamter der Kleinstadt Truth or Consequences im US-amerikanischen Bundesstaat New Mexico eine offizielle Beschwerde am Hals.

Was war passiert? Ein Video der Schulterkamera des Polizisten, das online verfügbar ist, gibt Aufschluss: Als Shelly Nicholas mit ihrer Familie gegen 14 Uhr an einem sonnigen Tag vergangenen Monat vom Supermarkt zu ihrem Truck zurückkehrt, wartet Vincent Kreischer, seit vier Monaten Beamter der städtischen Polizeibehörde, bereits am Auto der Frau.

„Ist das Ihr Truck?“, fragt er über den Parkplatz hinweg, als sich Nicholas nähert. „Sie dürfen den Hund nicht so im Auto lassen. Das wissen Sie, oder? Das ist nicht Ihr Ernst, richtig?“, und deutet auf den Truck. Nicholas rechtfertigt sich, erklärt, sie habe ihre Hündin Daisy weniger als zehn Minuten im Auto gelassen. Außerdem sei die Klimaanlage bis zum Ausschalten des Motors gelaufen, das Innere des Trucks sei dementsprechend noch kühl gewesen.

„Es sind 93 Grad Fahrenheit [34 Grad Celsius] draußen“, merkt Kreischer an und schätzt die Innentemperatur entsprechend und umgerechnet auf über 45 Grad Celsius. Nicholas fordert ihn auf, selbst die Innentemperatur zu fühlen, doch der Beamte entgegnet nur: „Sie müssen das Gesetz verstehen.“ „Das verstehe ich“, antwortet die vermeintliche Tierquälerin.

„Ich denke nicht, denn Sie lachen. Sie glauben, das ist lustig“, sagt Kreischer und fügt hinzu, sie könne bei geschlossener Tür im Auto warten - im Inneren sei es ja nicht heiß –, während er sich mit seinem Kollegen kurzschließt. Ihm gegenüber erklärt er schließlich: „Ich mochte Ihre Einstellung von Anfang an nicht. Und dann will sie nicht einmal die Tür schließen. Da habe ich gefragt, ob es denn dann okay sei, wenn der Hund im geschlossenen Auto hockt“.

Nicholas, die später erklärte, dass durch die offenstehenden Türen zu jenem Zeitpunkt schon heiße Luft ins Auto gelangt sei, reichte nach dem Vorfall offiziell Beschwerde gegen Kreischer ein. „Es war unangebracht“, sagt sie. „Er hat eben jene vermeintliche Straftat begangen wie ich. Er hat den Hund in das heiße Auto gesetzt, ebenso wie mein minderjähriges Kind. Ich denke, diese Lehrstunde war einfach überzogen.“

 Kreischer, der Nicholas wegen Tierquälerei hat vorladen lassen, wehrte sich im Interview mit dem Sender KRQE News 13: “Ich habe sie nicht bedroht, sie nicht gezwungen. Ich habe weder ihr noch ihrer Familie etwas angeordnet. Es war ihre Entscheidung, sich in das Auto zu setzen“. Ob die Lehrstunde angemessen war oder überzogen, ob es sich um Tierquälerei handelt oder nicht, darüber entscheidet in wenigen Wochen ein Gericht. Hündin Daisy jedenfalls erfreut sich bester Gesundheit und verweilt weiterhin bei ihrer Besitzerin. 

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