Es klingt wie ein Widerspruch in sich selbst, doch viele große Tierfutterhersteller testen ihre Tiernahrung zunächst an Tieren aus. Und damit ist nicht gemeint, dass glückliche Katzen und Hunde zu Hause kleine Häppchen von einem neuen Futter probieren dürfen. Stattdessen werden die Versuchstiere unter grausamen Bedingungen in Laboren gehalten und müssen immer wieder Geschmackstest über sich ergehen lassen.

Die Tierrechtsorganisation Peta deckte schon 2002 auf, unter welchen Bedingungen der Futtermittelhersteller Iams (dessen Produkte auch in Deutschland vertrieben werden) seine Tiernahrung an lebenden Tieren testete – doch wirklich viel getan hat sich seitdem nicht.

Tierversuche noch immer keine Vergangenheit

Beim Thema Tierversuche denken die meisten Menschen an die mittlerweile geächteten Tierversuche für Kosmetika und die noch immer in großer Zahl praktizierten Tierversuche in der Medizin, für die zahllose Mäuse, Ratten und Affen leiden müssen.

In diesem Sommer ist beispielsweise die Organisation „Ärzte gegen Tierversuche“ mit dem Mausmobil unterwegs, um auf dieses Problem aufmerksam zu machen. Die Mediziner weisen darauf hin, dass die unzähligen Tierversuche, die heute meist an Mäusen und Ratten durchgeführt werden, ohnehin meist nicht auf den Menschen übertragen werden können. Ihren Angaben zufolge werden jedes Jahr rund 1,9 Milliarden Euro für Experimente mit Mäusen ausgegeben, während die tierversuchslose Forschung mit nur vier Millionen Euro unterstützt wird.

Während der Verbraucher gegen medizinische Tierversuche nicht viel ausrichten kann, kann er seine Marktmacht jedoch zumindest in anderen Bereichen nutzen. So wie immer mehr Menschen bewusst Kosmetik und Pflegeprodukte von garantiert tierversuchsfreien Anbietern erwerben, können sie auch beim Tierfutter auf entsprechende Marken achten. Auf der Website von PETA steht eine Liste mit entsprechenden Herstellern zur Verfügung und im Internet wird u.a. tierversuchsfreie Tiernahrung auf futterhaus.de angeboten.

Warum überhaupt Tierversuche für Tiernahrung?

So wie Marktforschungsinstitute im Auftrag der Lebensmittelkonzerne neue Nahrungsmittel für den Menschen zunächst von ausgewählten Teilnehmern prüfen lassen, möchten natürlich auch die Tierfutterhersteller wissen, ob ihre neuen Produkte von der Zielgruppe angenommen werden. Dabei bleibt es jedoch nicht dabei, dass Tieren neues Futter vorgesetzt wird. Stattdessen werden – wie PETA eindringlich dokumentierte – grausame Experimente vorgenommen, um mit neuen Futterzusammensetzungen oder Diäten Marktanteile zu gewinnen.

So konnte PETA zeigen, dass Hundewelpen beispielsweise mit verschiedenen Vitaminen und Mineralstoffen unter- und überversorgt wurden, um festzustellen, wie und wann sich Gelenkprobleme, Fellveränderungen oder Wachstumsverzögerungen einstellen. Anderen Hunden und Katzen werden regelmäßig Darmproben entnommen, um den Stoffwechsel zu überprüfen. Todesfälle werden dabei ebenso in Kauf genommen wie unsägliche Haltungsbedingungen, unter denen die Tiere vor sich hin vegetieren müssen.

Kaum Bewusstsein für das Problem in der Öffentlichkeit

In der Öffentlichkeit gibt es bislang kaum ein Bewusstsein für dieses Problem. Den großen Futtermittelherstellern gelingt es immer wieder, mit überzeugenden Bildern für ihre Produkte zu werben. Im Gras herumtollende Welpen, die spezielles "Welpenaufbaufutter" verdienen, süße, anschmiegsame Kätzchen im Schoss ihrer glücklichen Besitzerin oder Leckerlis für ein gesund glänzendes Kaninchenfell: Tierbesitzer glauben nur allzu gerne, dass sie ihrem Haustier etwas Gutes tun und ahnen nicht, wie viele andere Tiere für diese Produkte gelitten haben. Wer dies als echter Tierfreund nicht weiter fördern will, sollte vor dem Kauf des Tierfutters einen Blick auf die Positivliste von PETA werfen und die entsprechenden Hersteller durch den Kauf unterstützen.

Barfen als Alternative zum Fertigfutter

Immer beliebter ist in den letzten Jahren das sogenannte Barfen geworden, das sich aus der englischen Abkürzung BARF (Biologically Appropriate Raw Food, auf Deutsch also Biologisches Artgerechtes Rohes Futter übersetzt) ableitet. Beim Barfen wird der Hund oder die Katze mit rohem Fleisch (z.B. Schlachtabfällen), Gemüse und Obst gefüttert. Dabei werden die von vielen Tierbesitzern als schädlich betrachteten Kohlenhydrate vermieden. Stattdessen frisst das Tier so, wie es seinem Naturell entspricht. Ein positiver Nebeneffekt des Barfens ist der Verzicht auf tierversuchsfreie Tiernahrung, da ohnehin kaum noch Fertigfutter gekauft wird.

Das Barfen ist jedoch nicht unumstritten. Kritiker sehen es als erwiesen an, dass die reine Rohfütterung zu Mangelerscheinungen einerseits und zur Überversorgung mit bestimmten Nährstoffen andererseits kommt. Für die Besitzer steigt zudem die Zoonose-Gefahr.

Die Mischung macht's

Empfehlenswert für Tierlieber ist eine gesunde Mischung: So kann der Liebling größtenteils mit garantiert tierversuchsfreiem Fertigfutter aus dem Fachhandel ernährt werden und ab und zu auch einmal eine Mahlzeit aus Rohfutter bekommen.

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