Die Angriffe kommen unerwartet. Einige Jäger schlagen Alarm und warnen vor einer tödlichen Gefahr für ihre vierbeinigen Begleiter. Alles Ammenmärchen, meinen Kritiker. Allein in Brandenburg wurden im letzten Jahr über 21.000 Waschbären getötet.

Für die zehnjährige Jagdhündin «Flora» kommt der Tod schnell. Bei einem Reviergang in der brandenburgischen Uckermark mit Jäger Bernd Peglau spürt sie einen Waschbären auf. «Sie würgte das Tier», berichtet der 74-jährige Peglau. Aus der Ferne hört er Kampfgeräusche im Röhricht. Nach 15 Minuten plötzlich Stille. Erst mit dem Kahn gelangt der Jäger zu der kleinen Schilfinsel. Im Wasser treibt die ertrunkene Hündin. «Sie wurde unter Wasser gezogen», ist Peglau überzeugt.

Der ehrenamtliche Waschbären-Schützer Francesco Dati vom Tierschutzverein Lich (Hessen) hält dagegen: Der Waschbär habe sich nur verteidigt. «Er ist kein Mörder. Dass angeblich Waschbären direkt Hunde angreifen und töten, entspricht nicht unseren Erfahrungen», betont Dati, der sich seit Jahren mit den Tieren beschäftigt. Für ihn sei es ««Mobbing» der Waschbären», um die Jagd zu verteidigen, die er ablehne.

«Flora» ist nach Angaben des Brandenburger Landesjagdverbandes nicht der einzige Hund, der durch einen Waschbärenangriff ums Leben kam. Die Tiere seien sehr aggressiv und hätten im vergangenen Jahr vier Jagdhunde getötet, sagt Joachim Olbrecht, Präsidiumsmitglied des Verbandes.

Kritiker werfen dem Verband nun vor, nur einen Vorwand zu liefern, um die ursprünglich aus Nordamerika stammenden Tiere zu jagen. Sie haben keine natürlichen Feinde und sind vielerorts eine Plage. Sie verwüsten Dachböden, werfen Mülltonnen um und bedrohen geschützte Arten wie verschiedene Singvögel und Sumpfschildkröten. Die geschickten Kletterer sind auch im Wasser gut unterwegs.

Etwa eine halbe Million Waschbären leben in Deutschland, die meisten in Brandenburg und Hessen. Die Brandenburger stammen ursprünglich aus einer Pelztierfarm in Eberswalde, aus der einige Tiere zum Ende des Zweiten Weltkrieges entkamen. In Hessen wurden Tiere einst ausgesetzt. In Brandenburg wurden in der Jagdsaison 2013/14 fast 21600 Waschbären erlegt - sechs Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Wenn Hunde bei der Jagd im Schilfgürtel Wildschweine suchen, können sie den Pelztieren ins Gehege kommen. «Die Waschbären agieren in der Gruppe», heißt es beim Landesjagdverband. Mehrere würde den Hund durch Bisse in die Flanke zunächst ablenken. Dann springe ein Waschbär dem Hund auf den Rücken und töte ihn durch gezielte Bisse in Nacken und Kehle. Waschbären könnten den Hunde auch unter Wasser drücken und ertränken.

Beim Bundesjagdverband sind die Fälle bekannt. «Waschbären sind wehrhafte Tiere», sagt Torsten Reinwald, Sprecher des Deutschen Jagdverbandes. Aus Sicht des Artenschutzes sei aber die Jagd erforderlich, betont er.

Auch der Ökologische Jagdverband ist nicht grundsätzlich gegen das Jagen der Bären. «Wenn sie mit einer sinnvollen Nutzung gekoppelt ist», sagte die Bundesvorsitzende Elisabeth Emmert. Die Felle werden beispielsweise nicht verwendet. Bislang gibt es nach Emmerts Angaben keine Hinweise, dass andere Arten in ihrer Existenz gefährdet seien.

Für andere Tierschutz- und Waschbären-Experten sind die tödlichen Attacken auf Jagdhunde nur Einzelfälle. Und Berichte von gezielten Angriffen der Waschbären sind aus ihrer Sicht lediglich Ammenmärchen.

Doch eine Frage stellen sich die meisten Tierschützer: Was gibt uns das Recht die Waschbären zu töten? 21.600 wurden in einem Jahr nur in Brandenburg erschossen. Kann man überhaupt ein Tier zu Recht erschießen? Diese Frage sollte auf jeden Fall einmal gestellt werden.

Was ist Eure Meinung?

Du möchtest dieses Video auf Deiner Seite einbinden? Kopiere einfach einen der beiden Links und füge diesen in den Quellcode Deiner Seite ein. Du hast Fragen zum Einbinden? Sende uns eine Mail an redaktion (at) tiervision.de!