17 Jahre und 9 Monate Haft. Mindestens. Es ist ein Urteilsspruch, der von Polizeibeamten bejubelt, von einigen Experten kritisiert wird.

Es ist die Strafe für den 22-jährigen Amerikaner John Rush, der im Januar 2014 den Polizeihund Rocco tötete und seinen Besitzer, den Police Officer Phil Lerza mit einem Messer verletzte. Eine Tat, die in Deutschland anders bewertet würde.

Bereits die Beerdigung des achtjährigen Schäferhundes Rocco im Februar vergangenen Jahres war eine der größten für einen Polizeihund, die Amerika je gesehen hatte. Mehr als 1200 Trauergäste waren an der Soldiers & Sailors Memorial Hall & Museum in Pittsburgh im Bundesstaat Pennsylvania zusammengekommen, um der Fellnase die letzte Ehre zu erweisen.

Bei einem Einsatz im Januar 2014 schickten sein Halter Lerza und Kollegen den Vierbeiner voraus, als sie den damals 21-jährigen Rush stellten, der sich auf der Flucht im Keller eines Hauses wenige Autominuten von Pittsburgh entfernt versteckte. Doch Rush, der gegen Bewährungsauflagen verstoßen haben sollte, ergab sich nicht, attackiert mit einem Messer stattdessen zunächst den Schäferhund, verletzte außerdem den Polizeibeamten Lerza an der Schulter, schlug auf die anderen Polizisten ein und versuchte, an eine Dienstwaffe zu gelangen. Obwohl Rocco unmittelbar in einer Klinik behandelt und mehrmals operiert wurde, starb er zwei Tage später an seinen Verletzungen.

In einer beeindruckenden 45-minütigen und live im Lokalfernsehen übertragenen Zeremonie wurde die Fellnase, für die binnen kurzer Zeit noch rund 100.000 Dollar an Spenden zusammengekommen waren, zu seiner letzten Ruhestätte gebracht. Dudelsackmusik ertönte im Hintergrund, Polizeibeamte salutierten und Vierbeiner bellten, während Lerza, gefolgt  von seiner Frau, seinen zwei Töchtern und Kollegen, mit einem gerahmten und mit Trauerschleife versehenen Foto seines Hundes in den Händen durch ein Spalier marschierte.

„Ich habe meinen Partner und ein Familienmitglied verloren“, sagte Lerza der Richterin im Bezirk Allegheny bei Pittsburgh während der Gerichtsverhandlung. Mit dem Urteil sei er entsprechend „sehr glücklich“. Der Verurteilte, dessen Mutter Renee Rush ihn beim Prozess selbst als „schwierigen und gewalttätigen Menschen“ bezeichnet hatte,  nahm das ungewöhnlich hohe Strafmaß ohne Regung zur Kenntnis. Schon während der Verhandlung hatte er jegliche Aussage verweigert, seine Anwälte vergeblich auf Notwehr plädiert. Dreieinhalb bis sieben Jahre wird er nun für Roccos Tod hinter Gittern sitzen, drei bis siebeneinhalb Jahre jeweils für seine Angriffe auf Lerza und die anderen Beamten sowie zweieinhalb bis sieben Jahre für den Versuch, eine Dienstwaffe zu entwenden.

In Deutschland hingegen wird die Tötung des Hundes – juristisch gesehen eine Sachbeschädigung – nur mit einer Geldstrafe geahndet. Nur, wenn Tierquälerei nachgewiesen werden kann, droht eine Haftstrafe von bis zu drei Jahren.

In den USA sind nach dem Vorfall hingegen nun sogar bis zu zehn Jahre Gefängnis – neben einer Geldstrafe von 25.000 Dollar – für die Tötung eines Polizeihundes möglich: Nur wenige Monate nach dem Tod des Vierbeiners wurde dieses neue, sogenannte „Rocco-Gesetz“ verabschiedet.

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