Wenn Hundebesitzer mit ihren Fellnasen die viktorianische Overtoun-Brücke in Schottland überqueren, wird aus dem Spaziergang oftmals eine schreckliche Tragödie.

Die Sonne strahlt am blauen Himmel, die Blätter rascheln an den kahlen Ästen der Bäume und auf dem weichen Waldboden. Es scheint als könne nichts den wunderschönen Herbsttag trüben. Doch wenn Hundebesitzer mit ihren Fellnasen die viktorianische Overtoun-Brücke in Schottland überqueren, wird aus dem Spaziergang oftmals eine schreckliche Tragödie. Denn beim Betreten des im Jahr 1895 erbauten Stein-Konstrukts werden die Vierbeiner plötzlich unruhig und stürzen sich über die Balustrade in die Tiefe – an stets derselben Stelle der Brücke.

Seit den 1950er Jahren sprangen bereits rund 600 Hunde von der Brücke, die rund 2,5 Meilen östlich des beschaulichen, 20.000 Einwohner zählenden Städtchens Dumbarton in 15 Metern Höhe über den gleichnamigen Fluss führt. Für mehr als 50 Fellnasen war es ein Sprung in den Tod. Aber was lässt die Hunde an dieser Brücke, die von Einheimischen mittlerweile als Hunde-Suizid-Brücke bezeichnet wird und zahlreiche Touristen aus aller Welt in die Gegend zieht, so ausrasten, dass selbst Leinen sie nicht aufhalten können?

Von Geistern, Nerzen und Sehnsüchten

Diese Frage beschäftigt seit Jahren nicht nur Einheimische, sondern auch Hundeexperten, Forscher und Geisterjäger. Letztere, darunter der Glasgower Philosophielehrer Paul Owens, glauben an einen Fluch, der über dem Ort und der Brücke liegt. Immer wieder wollen Spaziergänger den Geist einer Frau, der White Lady of Overtoun gesehen haben. Sie soll mit ihren übernatürlichen Kräften die Hunde in den Tod ziehen. Kräfte, die Owens selbst bei einem Besuch auf der Brücke gespürt haben will. „Als ich auf der Brücke stand, versuchte mich etwas herunterzustoßen“, sagte er in einem Interview mit der Boulevardzeitung „Sun“. Auch ein als geisteskrank erklärter Mann, der im Jahr 1994 seinen zwei Wochen alten Sohn von der Brücke warf, behauptete vor Gericht, plötzlich gespürt zu haben, dass der Junge vom Teufel besessen sei. Er selbst konnte nur von seiner Frau davon abgehalten werden, ebenfalls von der Brücke in den Tod zu springen.

Eine andere Erklärung für die seltsamen Geschehnisse hält die keltische Mythologie bereit. Demnach wird die Gegend um Overtoun als ein Ort beschrieben, an dem sich Diesseits und Jenseits besonders nah sind, ein sogenannter thin place. Insbesondere Hunde, aber auch Menschen nehmen dieses Phänomen wahr, lassen sich vom Jenseits anziehen und entwickeln eine spontane Todessehnsucht.

Weniger spirituell sondern wissenschaftlich versuchten sich der Tierverhaltens-Experte und Tierarzt David Sexton und der Psychologe Dr. David Sands im Jahr 2005 dem Thema zu nähern. Sie kamen zu dem Schluss, dass die Vierbeiner auf das Düsensekret der unter der Brücke beheimateten Nerze reagieren. Der spezielle Geruch sei besonders an sonnigen Tagen wahrnehmbar und ziehe vor allem Jagdhunde mit besonders langen Schnauzen an, die in den vergangenen 70 Jahren Berichten zufolge auch hauptsächlich in die Tiefe sprangen. Widersprüchlich zu dieser logisch klingenden Theorie hingegen sind die Aussagen des einheimischen Jägers John Joyce. Denn er habe in seinem ganzen Leben noch keinen einzigen Nerz in der Gegend gesehen.

Das Rätsel um die Overtoun-Bridge bleibt damit vorerst ungelöst. Festzuhalten aber bleibt, dass der Ort für Hunde gefährlich ist. Ein Schild, das Hundehalter entsprechend warnen und dazu auffordern soll, ihre Fellnasen anzuleinen, ist allerdings verschwunden.

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