Noch Tier- oder einfach nur Selbstliebe? Eine Welle des Entsetzens erreicht nun auch Deutschland. Kann man einen gesunden Hund wirklich einschläfern lassen?

Verbunden über den Tod hinaus – der letzte Wunsch der US-Amerikanerin Connie Lay. Ihre Asche und die ihres Schäferhundes Bela gemeinsam vergraben. Übertriebene Tierliebe? Wohl kaum. Denn der neunjährige Vierbeiner ist eigentlich quick lebendig und kerngesund. Doch mit ihrem Testament hat die am 25. November verstorbene Lay aus Aurora in Indiana verfügt, dass ihre Fellnase für das gemeinsame Begräbnis eingeschläfert werden soll – und hat damit mittlerweile nicht nur Tierschützer und US-Amerikaner, sondern Menschen weltweit in Aufruhr versetzt. Mit Spendenaktionen, Protesten auf Social-Media-Plattformen im Internet und Debatten im Fernsehen und mit dem Nachlassverwalter ringen Tierliebhaber nun um Belas Leben. Und ihre Bemühungen sind nicht aussichtslos.

Zwar sind das Testament und die Verfügung trotz eines Konfliktes mit Tierschutzgesetzen legal. „Der Hund gehörte meiner Klientin und ist nun Teil ihres Nachlasses”, erklärte der Anwalt der Verstorbenen, Doug Denmure, gegenüber dem US-Sender The Indy Channel. „Und was die Zukunft des Hundes angeht, so sind dies ihre Wünsche. Außenstehende haben keinerlei Grundlage, den letzten Willen meiner Klientin umzudichten und durchzusetzen, was sie möchten“, meinte Denmure. Dennoch hat der Nachlassverwalter die Möglichkeit, das Schicksal des Hundes ändern.

Denn die Hundebesitzerin hat im Testament ebenfalls die Möglichkeit offen gehalten, den Hund in die Obhut einer bestimmten Person aus dem engen Freundeskreis zu übertragen. Diese Person wiederum hat die Option, den Vierbeiner in die Hände des über 2.500 Kilometer entfernten Gnadenhofs der Best Friends Animal Society in Utah zu geben. Sei diese Alternative „nicht möglich“ oder „mit zu großen Kosten verbunden“, erläutert Denmure, solle der Hund laut Connie Lay eingeschläfert werden. Derzeit sei für den Transport jedoch zu wenig Geld im Nachlass vorhanden. Eine Entscheidung steht entsprechend noch aus, eine Frist gibt es nicht.

Die Möglichkeit einer Vermittlung des Hundes über ein Tierheim – mehrere Personen hätten sich Angaben vom US-Sender Fox 19 zufolge gemeldet, die den Schäferhund aufnehmen wollten – lehnte Lay in ihrem Testament ab. Als Grund hierfür nannte die Frau das aggressive Verhalten des Tieres, das sie als „potenzielle Gefahr“ einstufte. „Er könnte Fremde, insbesondere Kinder verletzen“, sagte Denmure und fügte hinzu: „Als meine Klientin starb, war sie gemeinsam mit dem Hund zuhause. Niemand konnte das Haus betreten, weil sie Angst hatten, der Hund könnte sie attackieren.“ Ein Tierarzt habe entsprechend empfohlen, Bela einzuschläfern.

Im Tierheim PAWS in Lawrenceburg, Indiana, in dem sich der Vierbeiner derzeit befindet, bis über sein Schicksal entschieden wird, habe man bislang jedoch kein bösartiges Verhalten feststellen können. Er sei vielmehr ein kluger, artiger und liebenswürdiger Hund, gab Fox 19 Aussagen von Vertretern des Tierheims wieder. „PAWS hat jedoch keine Rechte über sein Schicksal zu bestimmen. Bela wird aber nicht in unserer Einrichtung eingeschläfert, weder von PAWS-Mitarbeitern, noch von Beamten der Tierkontrolle von Dearborn County. Wenn der Nachlassverwalter sich für eine Einschläferung entscheidet, dann fällt es ihm zu, diese woanders zu organisieren“, ließ das Tierheim über seine Facebook-Seite mitteilen.

Immerhin: Die bereits für vergangenen Dienstag vorgesehene Einschläferung wurde laut Fox 19 abgesagt. Mit der Best Friends Animal Society in Utah bestehe dem Sprecher Eric C. Rayvid zufolge jedoch noch kein Kontakt. „Meines Wissens wurden wir im Fall des Hundes noch nicht kontaktiert, außer von einigen wenigen Medienanstalten“, erklärte er. Unterdessen riefen zahlreiche Internetnutzer zu Spenden für den Transport zum Gnadenhof auf. Bleibt abzuwarten, ob rechtzeitig genug Gelder zusammenkommen, um den Nachlassverwalter umzustimmen und Belas Leben zu retten können.

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