Ist der Hundesitter ein wahrer Traumberuf? Du liebst Hunde? Hast jahrelang selber welche und besuchst sogar regelmäßig die Hundeschule? Oder du führst Hunde für Tierheime aus? Warum nicht das Hobby Hund zum Beruf machen?

Auf den ersten Blick erscheint alles so einfach. Man behütet die Hunde anderer wenn diese auf der Arbeit sind oder im Urlaub. Man schenkt dem neuen Mitbewohner viel  Zeit, Liebe und Zuwendung und geht stundenlang mit allen zusammen spazieren.  Herrlich – endlich macht Arbeiten Spaß!!!

Viele die den Berufswunsch Hundebetreuer realisiert haben hören nach kurzer Zeit wieder auf. Das "Warum" ist vielfältig und meist spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Denn so einfach wie es auf den ersten Blick scheint ist es leider nicht.

Und die Gäste sind auch nicht immer nur reizend, sondern manchmal auch unerzogen,  betreiben Mobbing und haben ihre individuellen Bedürfnisse und Macken.

Ein wichtiger Punkt ist das Erkennen von Krankheiten und Verletzungen.

Liegt beispielsweise irgendwo Blut, sollte man nicht nur den verletzen Hund ausfindig machen, man muss die Art der Verletzung erkennen können. Handelt es sich um äußere Verletzungen ist es  meist mit einem  Verband und Desinfektion getan, sollte nicht genäht werden müssen.

Sollte das aufgefundene Blut schaumig sein, muss immer von inneren Verletzungen ausgegangen werden, beispielweise der Lunge oder der Leber. Auch das muss man als verantwortungsvoller Hundesitter wissen.

Schwieriger ist die Frage der Haftung. Wer zahlt den Tierarzt?

Natürlich ist es immer eine Möglichkeit den aus eigener Tasche zu bezahlen. Nur wollte man nicht eigentlich seine Lebensunterhaltungskosten mit seinem Hobby verdienen?  Bei  Streitfragen ist  eine Betriebsversicherung unerlässlich! Da es viele Anbieter gibt sollte man sich vom Fachmann beraten lassen. Bei Tierversicherung.biz bekommt man bestimmt das Passende.

Das Wichtigste was man als Hundesitter zu 1000% beherrschen sollte ist das Handling eines Hunderudels. Dazu reicht es nicht aus eigene Hunde gehabt zu haben oder mit  Tierheimhunden spazieren  zu gehen, seien diese noch so schwierig.

Wer mehrere Hunde ab drei aufwärts hält, weiß wovon ich spreche wenn ich das Wort Eigendynamik erwähne. Und diese muss man im Rudel erkennen können und jederzeit am besten schon in den Ansätzen unterbinden! Und  hier hört es bei den meisten schon auf!

Jeder Hund bringt rassespezifische Merkmale und Interessen mit sich, diese sollte man erfassen und INDIVIDUELL damit umgehen können!

Hunde die das erste Mal aufeinander treffen, sind sich nicht immer gleich freundlich gesinnt! Ich muss als Hundesitter dazu in der Lage sein Konflikte nicht nur zur realisieren, sondern sie auch zu regeln!!!Kommt ein neuer Hund in ein bestehendes Rudel, ist höchste Vorsicht zu walten. Man kann nicht einfach Alle auf Einen loslassen.

Konfliktmanagement nennt sich sowas. Und das ist der Hauptteil der Arbeit als Hundebetreuer! Spazieren gehen, natürlich. Auch hier ist Konfliktmanagement gefragt. Füttern, klar – der beste Grund für eine Rauferei – Konfliktmanagement!

Ich bekam mal einen Hund, der am Probetag freundlich und verträglich war, bei Ankunft aber vorher von einem schwarzen Hund gebissen wurde und nun angstaggressiv auf schwarze Hunde reagierte. Was mache ich jetzt? Alle braun anstreichen?! Man muss in der Lage sein einen Hund bestenfalls resozialisieren zu können. Oder eben getrennt laufen. Traurig – vor allem für den allein sitzenden Hund!

Auch Territorialverhalten wird häufig unterschätzt. Ich hatte einen Alaska Malamut  der war bis zu Tag X sehr verträglich, aber danach gehörte alles ihm und keiner durfte nur in die Nähe bestimmter Ressourcen. Diese waren Hauseingang, Eingang zum Auslauf und ….mein Sohn! Hier muss man auch den Mut aufbringen einen 45 kg schweren Hund deutlich zu machen, dass man sein Besitzverhalten nicht wirklich schätzt und möchte!

Desweiteren muss man Aggressionsverhalten differenzieren und abbrechen können. Reagiert der Hund dominant –oder angstaggressiv – zwei völlig verschiedene Umgangsformen führen hier zur vertrauensvollen Führen eines solchen Hundes. Außerdem dient Aggression ja der  Kommunikation. Ein Hunde sollte  Unbehagen ausdrücken dürfen – nur kippen darf diese Situation nicht!

Und hier kommen wir zu dem meines Erachtens wichtigstem Kriterium für diesen Beruf:

Habe ich die Persönlichkeit und genügend Selbstbewusstsein dafür?

Als Hundesitter muss ich jedem neuen Hund, relativ schnell und individuell aufzeigen, dass alles über mich läuft! Wenn ich schon meinen eigenen Hund nicht hundertprozentig im Griff habe,  inkonsequent handel und in den Augen des Hundes „Schwäche“ zeige, werden mir mehrere Hunde fröhlich auf der Nase herumtanzen – wenn´s gut läuft!

Wenn´s schlecht läuft habe ich schneller als mir lieb ist eine Rauferei um die Rangfolge. Viele sagen das machen die Hunde unter sich aus – tun sie auch!

Aber der Schwächere hat womöglich einen Schaden für´s Leben und reagiert anschließend mit Meideverhalten  oder ängstlich bei den nächsten Hundebegegnungen.

Als Hundesitter ist man für ALLE anvertrauten Hunde verantwortlich – ganz besonders für die Unsicheren und Schwachen!

Es ist einer meiner schönsten Momente wenn ich einen anfangs unsicheren Hund nach drei Tagen rotzfrech mit den anderen um die Wette rennen sehe. Oder wenn ich einen unverträglich Hund wieder Sozialkontakt ermöglichen kann.

Alles aufgrund eines sicheren Rahmens in der sich der Hund frei bewegen kann.

Das alles lernt man nicht in Kursen, Lehrgängen und Hundeschulen. Es geht darum Führungsqualitäten nicht nur abzurufen und vorzuspielen – das erkennt jeder Hund – sondern sie zu leben.Das heißt nicht nur artgerecht Grenzen setzen, sondern auch nicht nachtragend zu sein!

Es ist also nicht ganz einfach, das Hobby Hund zum Beruf zu machen, wie manche annehmen.

Es gehört auch dazu, in Zeiten wo alle anderen Urlaub machen oder Neujahr feiern gehen, zu Hause bei den Hunden zu bleiben. Weil genau da ist Hochsaison.  Es bedeutet selber keinen Urlaub zu haben, wirklich bei jedem Wetter draußen zu sein, viel zu laufen – manchmal 6 Stunden am Tag und auch auf die Besitzer eingehen zu können. Es bedeutet sich mit Buchhaltung zu beschäftigen und abends wenn andere von der Arbeit kommen und auf Sofa gehen, Rechnungen zu schreiben.  Man hat wenig bis gar keine  Zeit für Freunde ohne Hund, oder für andere Hobbys!

Man muss schon sehr Hundevernarrt sein um diesem Beruf nachzugehen, Hundeliebe reicht hierfür wohl nicht aus.

Oder wie einst ein Kunde zu mir sagte: „Ihr Planet kreist nicht um die Sonne, sondern um eine feuchte Hundenase“!  Ich fürchte er hatte Recht!

Dieser Artikel wurde verfasst von:

 

Passionate Dog
Katharina Lange
Gmünder Str. 54
73037 Göppingen

www.passionate-dog.com 

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