Die Gemmotherapie ist bei uns in Deutschland noch recht unbekannt. Da sie ursprünglich in Belgien entwickelt wurde, wird sie dort und in Frankreich weitaus häufiger angewandt.

Dieses Therapieverfahren, das sich von Gemma – lateinisch für Knospe – ableitet und als spezielle Form der Phytotherapie angesehen werden kann, wurde von dem belgischen Mediziner Dr. Pol Henry (*22.Okt.1918 – 7.Okt.1988) entwickelt.

Durch jahrelanges Studium der Natur und inspiriert durch Dokumentationen von Hildegard von Bingen und Johann Wolfgang von Goethe, die bereits vor ihm die Kraft der Knospen, Triebe und Wurzelsprosse erkannt hatten, entwickelte und veröffentlichte er 1970 diese neue Therapieform.

Er nannte sie vorerst „Phytembryotherapie“, basierend auf der Erkenntnis, dass in diesem frühen embryonalen Stadium der Pflanze die Teilungsaktivität sehr hoch ist und die Pflanzenteile dadurch ein Maximum an Energie besitzen, eine Energie, die  man sich zu Nutze machen kann, um fehlgesteuerte Informationen zu reparieren und regenerieren.

Es gibt einige Besonderheiten im embryonalen Pflanzengewebe.

Die gesamte genetische Information ist in den Zellen bereits vorhanden, aber man findet auch viele Pflanzenstoffe, die hauptsächlich in diesem Stadium vorkommen. Dabei handelt es sich unter anderem um Phytoproteine, die verhindern sollen, das es bei der Zellteilung zu Fehlern kommt.

Zusätzlich findet man eine Vielzahl von Enzymen und Wachstumshormonen. Manche können Pilz- und Parasitenbefall vorbeugen. Die Triebspitzen stellen sogenannte Makromoleküle dar, die sich durch ihre enorme Teilungsfägigkeit, aber auch durch photochemische, photoelektrische und elektromagnetische Fähigkeiten auszeichnen. Das bedeutet, dass in dieser Wachstumsphase, die ganze Kraft der Sonnenstrahlen aufgenommen wird.

Die Inhaltsstoffspektren sind wie in der Phytotherapie in jeder Pflanze speziell zusammengesetzt.

Was der Mediziner Henry vor mehr als 40 Jahren dokumentierte, wissen Wildtiere schon lange. Ihr Instinkt zeigt ihnen, dass besonders die frischen Triebspitzen, Knospen und Blüten, die zudem auch sehr schmackhaft sind, weil sie kaum Bitterstoffe enthalten, ihrer Gesunderhaltung dienen.

Um Menschen und Tieren das ganze Jahr über die Kraft dieser Basiszellen zur Verfügung stellen zu können, hat man ein spezielles Verfahren entwickelt, um gehaltvolle Extrakte herzustellen.

Schon bei der Ernte muss sorgfältig die geeignete Wachstumsperiode ausgewählt werden, um eine möglichst hohe Wirkstoffkonzentration zu erhalten.

Danach werden die gesammelten Pflanzenteile in einer Alkohol-Glycerin Lösung mindestens 3 Wochen mazeriert. Das Filtrat wird dann homöopathisch bis zu einer D1 Potenz verdünnt.

So sind Gemmotherapeutika eigentlich der Homöopathie zuzuordnen, rein wissenschaftlich gesehen gehören sie jedoch eher zur Phytotherapie.

Bei der Anwendung hat sich bewährt, die Mittel über Sprühstöße auf die Mund-bzw. Maulschleimhaut aufzubringen. Verschiedene Einzelmittel können kombiniert werden, sollten aber zeitlich versetzt zum Einsatz kommen.

Ebenfalls bewährt hat sich die Kombination aus Gemmotherapie und klassischer Homöopathie.

Grundsätzlich kann man aus jeder Heilpflanze ein Gemmotherapeutikum herstellen. Einige haben sich jedoch besonders bewährt.

Die für Tiere interessantesten sollen hier näher beschrieben werden:

Ribes nigrum – Schwarze Johannisbeere

Sie gehört zur Familie der Stachelbeergewächse und gedeiht auf feuchten Waldböden. Die frischen Knospen werden oft aus Kulturpflanzen gewonnen. Ribes nigrum gilt als eine der wichtigsten Pflanzen in der Gemmotherapie. Besonders ihre entzündungshemmenden Eigenschaften lassen sie oft auch in Kombination mit anderen Gemmotherapeutika zum Einsatz kommen.

So können gerade Allergien positiv durch dieses Mittel beeinflusst werden, was ihm auch den Beinamen „Pflanzliches Kortison“ gegeben hat.

Auch auf die Haut kann es regulierenden Einfluss nehmen. Es kann sowohl bei jeder Form von Ekzemen, aber auch akuten und chronischen Hautausschlägen helfen.

Durch seine entzündungshemmenden Eigenschaften findet Ribes Nigrum auch oft Einsatz bei allen entzündlichen Prozessen des Respirationsapparates und bei rheumatischen Beschwerden, wie Polyarthritis.

Wichtig ist auch zu erwähnen, dass es einen Synergieeffekt zwischen  Schwarzer Johannisbeere und anderen Mitteln der Gemmotherapie gibt und somit deren Wirkung verstärkt wird.

Juniperus Communis – Wacholder

Diese Pflanze gehört zur Familie der Zypressengewächse und ist wegen ihrer Anpassungsfähigkeit sowohl im Mittelmeerraum, als auch im Gebirge zu finden. Als Heilmittel kommen die schwarzen Beeren zur Anwendung. Beim Kochen eingesetzt, sollen sie das Essen bekömmlicher machen. Bei der Gemmotherapie werden die frischen, grünen Sprossen verwendet. Das Mittel hat einen besonderen Bezug zur Leber und zur Niere. Dabei wird der Stoffwechsel der Leber aktiviert und wirkt auf die Niere diuretisch, also entwässernd. Dies unterstreicht die Wirkung als Basisentgiftungsmittel.

Fraxinus Excelsior – Gemeine Esche

Die Esche gehört zur Familie der Ölbaumgewächse. Sie wächst sehr schnell, vornehmlich auf basenhaltigem und tiefgründigem Boden. Durch ihre gefiederten Blätter können Sonnenstrahlen bis auf den Boden gelangen, wodurch sie keine anderen Pflanzen verdrängt. Ihre Äste und Zweige sind sehr biegsam, was auch ihre Signatur im Heilmittelbild widerspiegelt. Fraxinus Excesior hat eine große Bedeutung bei rheumatischen Erkrankungen und wirkt besonders gut auf Bänder, Sehnen, Knochen und Muskeln.Die Wirkstoffe sind entzündungshemmend und schmerzlindernd. Ein weiterer Einsatzbereich sind Gichtzustände, da auch die Harnsäureausscheidung gesteigert wird. Dies wird noch durch die Anregung der Nierenfunktion unterstützt. Die Esche hat sowohl eine entwässernde, als auch eine blutreinigende Aufgabe und gilt als das Nierenentgiftungsmittel in der Gemmotherapie.

Castanea Vesca – Esskastanie

Die Esskastanie gehört zu den Buchengewächsen. Sie gedeiht besonders gut auf sauren Böden und mag ein mildes Klima. Castanea Vesca ist ein wichtiges Mittel zum Ausleiten und Entgiften. Dabei richtet sich die Wirkung besonders auf das Lymphsystem, da der Lymphfluss angeregt wird.Es gilt als wirksames Mittel bei Ödemen, aber auch bei Venenstauungen und Krampfadern.

Juglans Regia – Walnussbaum

Der Walnussbaum liebt ein mildes Klima und lockere Böden. Er gehört zu den Solitärpflanzen, da er nicht gerne in der Nähe von anderen Pflanzen wächst. Er wird gerne gepflanzt, um Fliegen und Mücken abzuwehren. Juglans Regia wirkt stark entgiftend und entzündungshemmend. Außerdem hat er einen besonderen Bezug zur Haut. Gerade bei entzündlichen Hautveränderungen findet dieses Mittel seinen Einsatz. Es gibt Hinweise, dass es positive Wirkung auf die Bauchspeicheldrüse hat. Daher kann man das Mittel gut bei Verdauungsstörungen oder bei Durchfällen nach Antibiotikakuren verabreichen.

Betula Linfa – Silberbirke

Birkengewächse gelten als Lichtbäume. Sie lieben das Licht, haben aber keinerlei Anspruch an ihren Boden. Die Birke benötigt viel Wasser, kann sich jedoch auch an trockene Verhältnisse anpassen. Durch ihre weiße Rinde strahlt sie Reinheit, Licht und junges Leben aus. Das aufgenommene Wasser ist in der Pflanze in einem ständigen Fluss. Dies spiegelt sich auch in ihrer Heilwirkung wider, indem es im Körper alles „in Fluss“ hält und so Stoffwechselprodukte herausschwemmt. Dieses Mittel  hat daher eine besonders stark reinigende Wirkung auf die Haut und die Nerven. Für die Gemmotherapie wird der frische Saft der jungen Birken verwendet. Die Wirkstoffe des Safts unterstützen die natürliche Ausleitung von Schadstoffen und haben somit eine blutreinigende Aufgabe. Der Leberstoffwechsel wird stimuliert und die Entwässerung angeregt. Bei rheumatischen Beschwerden wirkt sich diese reinigende und entzündungshemmende Wirkung positiv aus.

Die Mittel der Gemmotherapie haben gegenüber anderen phytotherapeutischen Mitteln, wie z. B. Tinkturen, den Vorteil, dass sie nur einen geringen Alkoholgehalt haben. Somit werden sie auch von Tieren gut akzeptiert und vertragen. Gemmotherapeutika können sowohl prophylaktisch, als auch in akuten Fällen bis hin zur Rekonvaleszenz eingesetzt werden.

Anja Burgmann

Tierheilpraktikerin Düsseldorf

www.tierheilpraxis-burgmann.de

Weitere Informationen unter www.gemmotherapie-deutschland.de

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