Was ist eine Flugpatenschaft? Wie wird man Flugpate? Kostet mich eine Flugpatenschaft Geld? Soll man überhaupt Flugpate werden?

Diese und ähnliche Fragen erreichen unsere Redaktion in den letzten Tagen vermehrt.

Was ist eine Flugpatenschaft bzw. ein Flugpate?
Der Begriff "Flugpatenschaft" ist ein umgangssprachlicher Begriff für Reisende die während eines Fluges die Patenschaft für ein Tier übernehmen. Das Tier reist auf deren Namen im Frachtraum bzw. Passagierraum mit. Einem Flugpaten entstehen keinerlei Kosten oder Mehraufwand. Alle Kosten werden vom Tierschutzverein übernommen. Der Flugpate meldet sich vor der Abreise ins Urlaubsland bei dem entsprechenden Tierschutzverein, um die Flugdaten mitzuteilen. Auch gibt es im Internet zahlreiche Plattformen , wo man seinen Flug meldet.

Die Vereine kümmern sich auch um die komplette Abwicklung und auch um die notwendigen Papiere wie Nachweis der erforderlichen Untersuchungen, Impfungen und auch den internationalen Heimtierhausweis.

Wie ist der Ablauf bei einer Flugpatenschaft?
In den meisten Fällen ist es so, dass die Tierschützer die Tiere zum vereinbarten Zeitpunkt zum Flughafen bringen um sie dort, gemeinsam mit den Reisenden, einzuschecken. Der Flugpate sieht dann das Tier erst in Deutschland wieder (sofern es im Frachtraum mitreist) und übergibt es in der Flughafenhalle den wartenden Tierschützern vor Ort bzw. auch direkt an die neuen Besitzer.

Soll man Flugpate werden?
Diese Frage kann und sollte jeder für sich selber beantworten. Man sollte sich natürlich im Vorfeld gut über den Tierschutzverein und dessen Arbeit informieren. Man muss auch keine Sorgen haben, das man auf dem Tier sitzen bleibt. Es werden immer Telefonnummern und Ansprechpartner ausgetauscht. Wir haben die Abwicklung vor einigen Tagen selber in Calpe (Spanien) erlebt. Das Team des TSV Calpe e.V. rund um die Vorsitzende Eleonore Gonzalez engagiert sich mit Hilfe von deutschen Tierschützern seit Jahren absolut vorbildlich.

Uns ist durchaus bewusst, dass das Thema Auslandstierschutz in Deutschland sehr kontrovers diskutiert wird. Oft wird sich aber eine pauschale Meinung gebildet - nach dem Motto "Nur Auslandstierschutz ist wahrer Tierschutz" oder aber auch "Auslandstierschutz ist das schlimmste was es gibt - denkt an die Tiere in deutschen Tierheimen!".

Unserer Meinung nach ist weder die eine noch die andere Aussage komplett richtig. Es gibt gute Tierschutzvereine, die sich im Ausland engagieren und es gibt auch tolle Tierschutzvereine in Deutschland - aber es gibt leider auch auf beiden Seiten einige, wenige schwarze Schafe. Oder was ist eure Meinung?


Erfahrungsberichte von Flugpaten:

Bericht von Uschi Burghausen:

Meine erste Flugpatenschaft kam zustande, weil ich in einer Zeitschrift einen Aufruf gelesen habe, dass „Flugpaten dringend gesucht werden“. Ich hatte überhaupt keine Ahnung, was es bedeutet „Flugpate“ zu sein und nutzte das Internet, um mich erst einmal zu informieren. 

Ich fand zahlreiche Berichte von Flugpaten und wusste in dem Moment, das ich wenigstens einen kleinen Beitrag mit dieser Flugpatenschaft leisten wollte, um den Tieren im Ausland „irgendwie zu helfen“.  Es ging dann alles ganz einfach.

Bevor wir in die Türkei  abflogen, meldete ich uns bei einer Tierschutzorganisation an. Von dort wurden alle erforderlichen Reservierungen vorgenommen. Am Tage des Rückfluges durften wir dann einen Hund mit nach Deutschland nehmen. Die Dame vom türkischen Team stand nach Absprache mit uns  mit diesem Tier dann am Flughafen bereit. Alle erforderlichen, benötigten Einreisepapiere wurden uns übergeben.  Alle Tiere sind bei der Ausreise gechipt, kastriert und geimpft. Wir checkten mit der Dame des türkischen Teams unsere Gepäckstücke sowie den Hund gleichzeitig in Antalya ein. Dann begleiteten wir ihn noch bis zum Frachtbereich, wo er dann in die Flugbox gesetzt wurde. (Hunde reisen klimatisiert im Frachtraum) und nahmen wenig später im Flugzeug unsere Plätze ein.

Nach unserer Landung in Köln haben wir die Flugbox dann vom Sperrgepäckschalter abgeholt, auf einen Gepäckwagen gestellt und den Zöllnern das Impfbuch sowie die  Bestätigung, dass das Tier gegen Tollwut geimpft ist (Voraussetzung für die Einreise) vorgelegt.  Die Papiere wurden geprüft, der Chip kurz gescannt und wir konnten mit „unserem Hund“ den Flughafenbereich verlassen.

Man wird schon mit freudigen, sehnsüchtigen Blicken der neuen Hundehalter sowie einem Mitarbeiter des deutschen Teams am Flughafen begrüßt und hat einen Beitrag geleistet, einem Tier ein neues Leben ohne Angst vergiftet, erschlagen oder misshandelt zu werden zu schenken.

Helfen kann so einfach sein!

 

Bericht von Britta Lenz:

Mein Freund wollte immer in die Türkei fliegen, dort Urlaub machen und die Seele baumeln lassen.Vor der Buchung habe ich in Holiday Check schlau gemacht und schnell war das Hotel gefunden in das wir reisen sollten. Dabei bin ich dann in Holiday Check über eine Bewertung “gestolpert”.

In dieser stand unter sonstiges drin das diese Reisenden der Tierhilfe Antalya als Flugpaten zur Verfügung gestanden hätten und sie ganz einfach und ohne Hindernisse 2 Hunden und einer Katze den Weg in ein gutes Leben geebnet haben.

Ok, also mir die Homepage angeschaut von dem Verein und mich direkt als Flugpate dort gemeldet. Nach 2 Tagen bekam ich einen Rückruf bei dem ein paar Daten abgefragt wurden und schnell war klar, wir dürfen einen Hund mit ins neue Leben begleiten. 2 Tage vor Abflug kam dann die Frage ob ich zu dem Hund auch eine Katze mit nehmen könnte... Aber klaro kann :) Am Abflugtag informierte ich die Kontaktperson das alles planmässig gehen wird und sie war auch vor mir schon am Flughafen.

Sie hat sich dann mit uns in die Schlange eingereiht, wir haben nett gequatscht und sie berichtete mir von ihrer Arbeit. Am Schalter haben wir dann eingecheckt und sie übernahm alles was die Tiere anging. Sie wartete auch bis die Tiere an Bord waren und informierte dann wiederrum ihre Kontaktperson in Deutschland. Dann nahm Sie sich natürlich noch Zeit uns alle Papiere zu erklären und zeigen und sagte uns was so manches auf Türkisch heißt. Alles ganz easy. Ich habe im Flugzeug dann noch eine Stewardess gefragt ob “meine” Tiere mit an Board seien. Sie hat sich erkundigt und alles war bestens.

In Deutschland gelandet holte mein Freund die Koffer und ich wartete am Sperrgepäck auf die Tiere. Als ich sie bekam ging mein Herz auf. In der Türkei waren Hund und Katze noch sehr ängstlich, jetzt standen beide am Gitter und machten klar das sie aus ihren Boxen wollte.

So bin ich dann frohen Mutes zum Zoll und habe ihnen unaufgefordert die Papiere gezeigt.Das dauerte nur 1 Minute und ich konnte weiter gehen.

Was dann passierte finde ich immer noch einen sehr schönen Moment in meinem Leben und ich bin froh das ich ihn erleben durfte. Die Kontaktperson wartete bereits mit den neuen Herrchen und Frauchen auf uns. Und die weinten :) Wir sind dann in eine ruhigere Ecke vom Flughafen und der Hund wurde raus gelassen. Ach was er sich freute und seinem neuen Herrchen gleich durchs Gesicht schlabberte. Das werde ich nie vergessen.Die Papiere wurden ausgetauscht und schon war ich mit meiner “Arbeit”fertig.

Wie oft ich inzwischen Flugpate war kann ich gar nicht mehr sagen. Für die Türkei bestimmt 15 Mal und für Ägypten auch schon 2 Mal. Man wird richtig an die Hand genommen und alles läuft entspannt. Und am Ende wird man dann noch mit freudigen Neubesitzern und noch freudigeren Tieren belohnt. Mit manchen habe ich heute noch Kontakt :)

 

Bericht von Susanne Pälmer Nicolin:

Er sollte "nur" eine Flugpatenschaft werden...2003 auf Kreta, jede Menge Zeit da jede Menge Regen. Wir wollten eine Patenschaft übernehmen, aber in Deutschland war kein Pflegeplatz frei, aber in meinem Leben war Platz und so entschlossen wir uns relativ spontan, aus einer Patenschaft auf Zeit, ein ganzes Hundeleben zu machen.

Das ist jetzt 12 Jahre her und wir haben das nie bereut. Das war eine der besten Entscheidungen in meinem Leben. Mittlerweile haben wir Tiere aber auch auf ihrem Flug als Paten bzw. Interiemsbesitzer begleitet. Macht überhaupt keine Arbeit und geht ganz leicht. Unbedingt ausprobieren, die Organisationen sind so darauf angewiesen.

Mein Hund ist übrigens nie wieder geflogen, wir seither auch viel weniger, Urlaub machen wir jetzt anders, dafür gemeinsam.

Habt auch Ihr Erfahrungen als Flugpate gemacht und wollt diese Erfahrungen mit anderen Tierfreunden teilen? Sendet uns eure Erfahrungen an redaktion@tiervision.de !

 

 

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