Was macht eine Hundephysiotherapeutin eigentlich den ganzen Tag und was für Hunde kommen in so eine Praxis? Lesen Sie darüber mehr in diesem Artikel.

Der Wecker klingelt um halb sieben und die Sonne lacht mich schon an. Mein Hund schläft tief und fest noch in seinem Hundebett und denkt noch nicht mal ans Gassi gehen.

Ich geh in die Praxis und mach erst einmal den Pool startklar und lüfte kurz durch.

Dann kommt auch schon die erste Hundebesitzerin mit ihrem Malinois Rüde. Es ist ein Sporthund, dass heißt er wird im Hundesport aktiv geführt und mit ihm werden Prüfungen gelaufen. Durch das regelmäßige und anstrengende Training verspannt sich dieser oft und die Ausdauer vom Hund lässt etwas zu wünschen übrig.

Deshalb kommt die Besitzerin jede Woche zum Schwimmtraining in die Praxis. Nach einer Aufwärmungsphase (der Hund sollte nie unaufgewärmt ins Wasser gehen)  wird mit Motivation, durch Spielzeug, geschwommen. Ich als Therapeutin bin stets mit im Wasser und kann so Richtung und Haltung vom Hund bestimmen und absichern. Nach dem Schwimmen gibt es ein cool – down um den Kreislauf wieder etwas runter zu regeln und eine entspannende Massage.

Danach behandele ich ihren zweiten Hund einen Mischling, der Hüftgelenksdysplasie hat. Dies zeigt sich durch nachziehen des hinteren Beines, Probleme beim Aufstehen nach Liegephasen und immer wiederkehrende Schmerzen. Bei ihm steht die Schmerzlinderung an erster Stelle.

Die verspannte Muskulatur (auch hypertone Muskulatur genannt) wird massiert um einen Normotonus wieder herzustellen. Durch Hilfe der manuellen Therapie wird am Gelenk gearbeitet, da sehr schnell die Gelenkkapsel schrumpft und dies zu Bewegungseinschränkung am Hund führt. Das heißt, dass die volle Bewegung im Gelenk nicht mehr gegeben ist.

Nachdem ich noch die verkürzte Muskulatur gedehnt habe, bekommt der Hund Elektrotherapie. Hier wähle ich einen TENS-Strom, welcher schmerzlindernd wirkt. Zum Abschluss mache ich mit dem Hund stabilisierende Übungen, welche auch gleichzeitig die Hausaufgaben sind und dann ist die Zeit auch schon wieder um.

Nach kurzer Reinigung der Praxis, denn die Hunde lassen mir als Andenken immer eine Menge Haare da, kommt auch schon der nächste „Wuff“ in die Praxis.

Hierbei handelt es sich um einen Labrador - Retrievermischling der Epilepsie hat. Er ist auch ein Rettungshund und immer mal wieder im Einsatz. Entspannung ist hier die Therapie der Wahl, also bekommt Paul eine heiße Rolle zur Erwärmung der Muskulatur und wird anschließend massiert.

Danach werden noch Intelligenzspiele gemacht um den Hund auch geistig auszulasten, was sehr wichtig ist. Es sollte keine Magnetfeldtherapie und Schwimmtherapie angewendet werden, da diese einen Anfall auslösen können und der Hund sich dann verletzten kann.

Nun ist Mittag und mein Hund freut sich frische Luft zu schnuppern und die Hundzeitung zu lesen, denn andere Hunde hinterlassen ihm an Bäumen immer wichtige Nachrichten.

Nachmittags besucht uns noch einmal eine Besitzerin zum Ausdauertraining durch Schwimmen im Becken. Der Ablauf ist ähnlich wie oben beschrieben. Jedoch möchte ich dazu sagen, dass auf jeden Hund individuell eingegangen wird und nicht nach "Schema F" behandelt wird.

Nun müssen noch schriftliche Sachen erledigt werden und Vorbereitungen getroffen werden, da ich fast jedes Wochenende in einem Hundeverein Seminare gebe, Workshops anbiete und Sporthunde in anderen Vereinen behandle.

Behandlungen wie abends von 21-23h oder Behandlungen sonntags sind bei mir keine Ausnahme, denn Hundephysiotherapie ist meine Leidenschaft und nicht nur ein Beruf.

Leidenschaft wiederum kennt keine Wochentage oder Uhrzeit. Hunde geben mir so viel, deshalb bin ich stets bemüht ihnen so viel zurück zu geben wie ich kann durch meine Behandlungen.

Schlussendlich bleibt mir zu sagen, dass wie Sie lesen können, nicht nur kranken Hunden eine physiotherapeutische Therapie zugeschrieben werden sollte, sondern auch jungen, gesunden Hunden.

Vorsicht ist besser als Nachsicht!!!

Geschrieben von Mirjam Knauer – Hundephysiotherapeutin

Erfahren Sie mehr über Hundephysiotherapie unter: www.hundephysio-praxispfote.com

 

Über Mirjam Knauer:

Immer waren Tiere meine Leidenschaft und Bestandteil in meinem Leben, vorallem eroberten Hunde mein Herz. Schon in jungen Jahren widmete ich meine ganze Zeit und mein Taschengeld nur für meine Haustiere und unterstützte Tierheime mit Spenden die ich aus Blumenverkäufe oder Garagenflohmärkte sammelte.

Als ich im Alter von 7 Jahren meine ersten Hund bekam, einen Schäfer-Huskymix ( Tierheim Schorndorf ) war ich sehr glücklich. Leider prägte mich doch auch dieser Hund, denn sie wurde schon als Welpe von ihren Vorbesitzern misshandelt und das hat sie bis zum letzten Atemzug nie vergessen. So gingen wir mit ihr einen steinigen Weg und verbrachten unsere gesamte Freizeit auf Hundeplätzen, Hundeschulen und bei Hundepsychologen. Sie hatte auch immer wieder gesundheitliche Probleme und somit waren wir auch Stammkunde beim Tierarzt. Ich war immer beim Training dabei und übte daheim viele Kunststücke mit ihr ein und Intelligenzspiele um ihr auch geistig einen Ausgleich zu schaffen. Erfolge waren dann ständig zu sehen und als sie immer gelehriger und besser wurde, starb sie bei einer Operation an einer Blutung. 

Wir nahmen uns viel Zeit um dies alles zu verarbeiten, da unser Hund ein fester Bestandteil unserer Familie war und mit einem Schlag nicht mehr. 

Nach vergaganer Zeit machte ich mich auf die suche nach meinem ersten eigenen Hund und so kam ich zu meinem Traumhund "Paco/ Rottweiler" den ich mit ein einhalb Jahren aus dem Tierheim Ludwigsburg holte. Er bereichert jeden Tag mein Leben zusammen mit dem Hund meines Freundes der ebenfalls "Paco/Staffmischling" heisst. 

Vor sechs Jahren machte ich meine Ausbildung zur staatlich geprüften und anerkannten Physiotherapeutin. Seitdem arbeite ich in einer Praxis für Physiotherapie und sammel jeden Tag neue Erfahrung.

Da es mich aber schon immer zu den Hunden zog, machte ich die Ausbildung zur Hundephysiotherapeutin, welche ich erfolgreich mit einem Durchschnitt von 1,0 abschloss.

Das Schönste ist, dass die meisten Techniken vom Mensch kommen und auf den Hund übertragen werden und somit habe ich den Vorteil, dass ich alle Grundlagen der Techniken und Behandlungen bestens kenne und diese schon in meinen 3 Jahren im Beruf verinnerlichen konnte. 

Da ich mit meinem Rottweiler aktiven Hundesport betreibe, kenne ich viele Erkrankungen und Verletzungen am Hundekörper und auch oft wie es dazu kommt. Auch bei meinem Hund lege ich viel Wert, dass er nie einseitig gearbeitet wird und immer einen Ausgleich hat.

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