Die Ernl-Tasche ist vielfältig einsetzbar – doch wie sieht so ein Einsatz eigentlich aus? Wir haben 3 Teams befragt, warum sie die Ernl-Tasche mit zur Arbeit nehmen.

Vor einer Weile haben wir die Ernl-Tasche für Hunde vorgestellt (“Hund trägt jetzt Tasche”). Die Tasche dient der Beschäftigung und geistigen sowie körperlichen Auslastung tragefreudiger Vierbeiner. Aber nicht nur das. Die Ernl-Tasche kommt bei vielen Mensch-Hund-Teams zum Einsatz, die im tiergestützten Bereich tätig sind. Wir haben 3 Teams befragt, warum sie die Ernl-Tasche mit zur Arbeit nehmen.

Antje Wittig mit Großpudel Elli, Besuchshund (Leben mit Tieren e.V. Berlin)

Was ist eure Aufgabe?

Als Mensch-Hund-Team besuchen wir alle 14 Tage ältere Menschen in einer Pflegeeinrichtung. Viele sind dement.

Wie läuft so ein Einsatz ab?

Wir treffen bei einem Besuch 4-6 Patienten für eine halbe Stunde. Elli begrüßt jeden Einzelnen. Danach setze ich die Ernl-Tasche zum Auflockern und Stimmungmachen ein. Es ist jedes Mal ein großes Hallo, wenn Elli mit dem Kommando "Hol die Tasche" wirklich mit der Tasche im Maul ankommt. So etwas haben die Patienten noch nie gesehen. Alle sind überrascht und begeistert.

Was ist die besondere Herausforderung?

Viele der älteren Menschen haben schon Probleme mit der Beweglichkeit der Hände. Ich versuche möglichst viele Spiele einzubauen, wo Fingerfertigkeit und Beweglichkeit trainiert werden. Elli ist der perfekte Motivator und so manch einer, der im Rollstuhl gedöst hat, fischt mit Freude haufenweise kleine Möhrenstücke aus der Ernl-Tasche oder täuscht mit dem Ball, der auch in der Tasche versteckt ist, geschickt einen Wurf an.

Nina Grünewald, Fachkraft für tiergestützte Interventionen, mit Gute-Laune-Hündin Fussel von “Pfötchenbesuch” in Selsingen

Was ist eure Aufgabe?

Die kleine Gute-Laune-Hündin Fussel und ich sind mit „Pfötchenbesuch“ im Bereich der tiergestützten Aktivitäten & Entspannung sowie als Dozentinnen für die Themenbereiche „tiergestützte Entspannung, Tierschutz und tiergestützte Spiele“ im Netzwerk von „Helfende Tiere“ tätig. Fussel spielt hierbei eine tragende Rolle, denn sie motiviert die Klienten aufgeweckt zu Aktivität oder trägt durch ihre beruhigende Ausstrahlung zur Entspannung bei. Gerade, wenn es um das Thema „tiergestützte Entspannung mit Kindern“ geht, ist es wichtig, auch spielerische Elemente mit in die Einheiten einfließen zu lassen, wie zum Beispiel die Ernl-Tasche bei Fussels Vorstellungsrunde.

Wie läuft so ein Einsatz ab?

Die Vorstellungsrunde ist die erste Kontaktaufnahme zwischen den Kindern und Fussel. Hierbei trägt Fussel ihre Vorstellungskarten in der Ernl-Tasche herein. Wenn der kleine Hund mit der Tasche ankommt, wird sie von den Kindern meist schon mit „Ohhh, ist das süß!“ begrüßt und wir haben sofort die Aufmerksamkeit auf unserer Seite. Jedes Kind darf sich dann eine „Fussel-Karte“ aus der Tasche nehmen. Der Reihe nach darf jedes Kind Fussel mit dem Kommando „Fussel, hier!“ zu sich rufen, sie streicheln und ihr ein Leckerli geben. Danach liest das Kind, das Fussel bei sich hat, die Informationen über Fussel auf der Karte vor. Anschließend rufe ich Fussel zurück zu mir und das nächste Kind ist an der Reihe. So lernen die Kinder Fussel auf spielerische Art & Weise kennen und die erste Kontaktaufnahme zwischen Kind & Hund kann vorsichtig erfolgen.

Was ist die besondere Herausforderung?

Bei der tiergestützten Aktivität mit Kindern ist die Herausforderung, besonders am Anfang einer Einheit Ruhe und einen geordneten Ablauf für alle zu gewährleisten und dabei allen (Kind & Hund) die Chance der ersten, vorsichtigen Kontaktaufnahme zu geben. Durch das Hereintragen der Tasche haben wir sofort die Aufmerksamkeit aller Kinder. Danach erkläre ich den Ablauf und Ruhe kehrt ein. Durch die vorgegebene Reihenfolge und die Regel, dass immer nur das Kind, was gerade vorliest Kontakt zu Fussel hat, läuft auch die erste Kontaktaufnahme ruhig und respektvoll ab und die Kinder lauschen, was das Kind über Fussel vorliest. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Kinder dabei sehr gut zuhören, denn am Ende der Einheit wissen fast alle Kinder noch alle Informationen, die sie von den Karten über Fussel erfahren haben.

Kerstin Kötz (Klassenlehrerin einer jahrgangsgemischten Klasse der Stufen 3-4) mit den Schulhunden Ida und Mimo, beides spanische Wasserhundmischlinge

Was ist eure Aufgabe?

Ida und Mimo begleiten mich als Schulhunde in meine Klasse, wo sie für eine gute Lernatmosphäre, Motivation, Überwindung von Ängsten, der Entwicklung von Empathie und sozialem Lernen bei den Kindern sorgen.

Wie läuft so ein Einsatz ab?

In der Regel ermöglichen die Hunde durch ihre bloße Anwesenheit ein entspanntes Arbeiten, weil es den Kindern sehr viel leichter fällt, aus Rücksicht auf die Hunde ruhig und kontrolliert zu agieren. Einzelne Kinder (z.B. mit ADHS-Problematik) können sich bei Bedarf eine kurze Auszeit nehmen und beruhigen sich beim Streicheln der Hunde. Manchmal erfordert aber die Tatsache, dass unsere Schule a) in einem sozialen Brennpunkt liegt, b) die UN-Menschenrechtskonvention zum inklusiven Unterricht sehr ernst nimmt und c) zunehmend Flüchtlingskinder in die Regelklassen aufnimmt, besondere soziale Übungen.

Was ist die besondere Herausforderung?

In unserer Schule lernen Kinder mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen gemeinsam. Damit eine gute Lernatmosphäre entstehen und sich jedes Kind in seiner Besonderheit entfalten kann, sind Empathie und Akzeptanz nötig.

Zur Empathieschulung gibt es verschiedene Übungsmöglichkeiten. Ziel ist es immer, unvoreingenommen zu beobachten, die Position des anderen einzunehmen, sich einzufühlen und die Stärken des anderen abseits eines Problems zu finden. Hier kommen die Ernl-Taschen zum Einsatz. Die Kinder versuchen, die Hunde dazu zu bewegen, ihnen die Tasche mit Buntstiften zu bringen. Als Belohnung gibt’s ein Leckerli. Die ruhige und zurückhaltende Ida begreift sofort und führt ihre Aufgabe mit Freude aus.

Mimo aber, unser kleiner, eigenwilliger und ungeduldiger Hund, tut es nicht. Wir wissen nicht, ob er es nicht versteht oder ob er nicht will, er macht es einfach nicht. Die Kinder bemühen sich mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln, es ihm beizubringen. Sie schmeicheln ihm, sie motivieren ihn, sie machen es vor, sie zeigen ihm, wie Ida es macht – er tut es nicht. Allerdings ist er in seinen Versuchen so charmant, ist aufmerksam und strengt sich so an, das Leckerli aus der Tasche zu bekommen, dass die Kinder auch ihrerseits nicht aufgeben und alles versuchen, um ihm zu helfen.

Am Ende sind alle erschöpft, aber zufrieden und möchten Mimo nach der ganzen Arbeit gerne das Taschetragen abnehmen – nachdem er sein Leckerli bekommen hat. Der positive Nebeneffekt ist, die Kinder lernen, dass nicht jeder alles kann und nicht alles immer klappen muss.

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