Heutzutage reden wir oft abfällig darüber, wie brutal und tierschutzrelevant die früheren Ausbildungsmethoden waren und mit welchen brachialen Hilfsmitteln sich die früheren Hundesportler bedient haben.

In der Tat ist es erfreulich, dass Stachelhalsband und Teletakt immer mehr von der Bildfläche verschwinden.

Die heutigen, „modernen“ Hundesportler bedienen sich anderer Hilfsmittel um den Hund zu „konditionieren“. Zur Auswahl stehen Clicker, Leckerli und Spielzeuge in allen Variationen.

Heutzutage haben wir  glückliche Sporthunde! Oder etwa nicht?

Ständig werden, durch Verhaltensforschungen angeregt, neue Lernkonzepte entwickelt, Methoden verfeinert, um Hunde immer präziser und feiner zu manipulieren. Sei es durch Zwang oder Leckerli.

Meinens Erachtens haben wir damals wie heute das Wesentliche übersehen. Die Gefühle vom Hund!

Jeder ist darauf erpicht Lerninhalte möglichst schnell und einfach zu vermitteln. Wie sich der Hund dabei aber fühlt, danach fragt keiner.

Ich habe als Jugendliche ein Buch von Imke Spilker gelesen, es hieß „Selbstbewusste Pferde“. Darin stand dieser Dreizeiler:  „ Wer sich bei Arbeit großartig fühlt, findet Arbeit großartig! Das ist das Geheimnis der Motivation“

Ich war begeistert und dachte mir, genau das möchte ich: einen Hund der sich bei der Arbeit mit mir großartig fühlt! Aber wie erreiche ich das?

Ich suchte und fand für mich persönlich diesen Weg in der Lind-Art.

Erlebt der Hund Erziehung und Ausbildung als DAS Ereignis, befriedigt dies nicht nur seine Triebe, denn genau so funktionieren moderne Ausbildungspratiken heutzutage, sondern es bestätigt ihn auch in seiner Persönlichkeit und spricht ihn in seiner Gefühlswelt an.  Dadurch entsteht nicht nur ein schnellerer Lernerfolg mit  fantastischer Ausstrahlung, sondern eine einzigartige, innige und tiefe Beziehung zum Hund, die von keinerlei Hilfsmittel abhängig ist.

Das gemeinsame „Bewältigen von Aufgaben“, wie Ekard Lind es beschreibt, schweißt zusammen, baut Vertrauen, natürliche Autorität und Sicherheit auf und ist die Geburt eines einzigartigen Teamgefühls.

Nur wer es erlebt hat, weiß wovon ich spreche.

Unendlich armselig kommen mir nun jene Hundeführer vor, die ihren Hund mittels Stachel zur schnellen Ausführung von Übungen zwingen, um ihm sogleich danach die Beißwurst ins Maul zu stopfen. Denn Spielen, was diese Leute meinen mit ihrem Hund zu tun, kann man sowas nicht nennen. Beobachtet man dieses „Team“ bei der Arbeit, bekommt man einen verzweifelten Hund zu sehen, der sich in die Beißwurst flüchtet, aber definitiv kein entspannt lächelndes Spielgesicht zeigt.

Hat der Hund die Beißwurst, darf er 5-10 Sekunden damit durch die Gegend rennen, während der Hundeführer stocksteif, meist völlig emotionslos, daneben steht. Da will man doch gleich mitspielen….Ich frage mich immer, was haben Hund und Halter von diesem Szenario? Freude wohl kaum, denn ich habe weder Hundeführer noch Hund dabei einmal Lächeln gesehen.

Doch auch die andere Liga, die Clickergenies, die sich für ach so Artgerecht halten und ihren Hund selbst nach vier Jahren fürs Häufchen machen ein Leckerli geben, sind am Wesentlichen vorbeigeschossen. Jeder Konflikt wird von diesen Hundeführern durch Ablenkung und Verdrängung „gelöst“ und manche sind sogar ernsthaft davon überzeugt, allein mit Futter Aggressionsverhalten therapieren zu können. Der arme Hund!

Ob ich einen Hund mit Stachel ins Meideverhalten zwinge, oder mit Futter von mir abhängig mache, bringt mir in beiden Fällen keinen Hund, der sich mir vertrauensvoll und mit einen Gefühl des geborgen Seins, anschließt. Und genau das, will der Hund!

Damals wie heute gab es jedoch Hundemenschen, die sich von der Masse abhoben und ihren eignen Weg gingen. Das waren und sind jene Leute, denen Erfolg nicht das Wichtigste ist, sondern das Gefühl einer innigen Mensch-Hund Beziehung. Und seltsamerweise waren und sind es genau diese Leute, dessen Hunde bei der Arbeit strahlen. Dieses Team, Hund und Halter erfreuen sich aneinander. Hier zu zuschauen erfreut einen Selbst und lässt mich lächeln.

Leider wird von den meisten Hundeführer des Hundes Neigungen und Persönlichkeit zu wenig beachtet. Oder wer hat schon mit seinem Hund um die Wette gebuddelt oder sich mit ihm zusammen über eine Wiese gerollt?

Als Kinder haben wir sowas gern gemacht, denn da gab es keine Ziele und Prüfungsordnung, die es zu erreichen galt. Da gab es nur uns, unseren Hund und die gemeinsamen Erlebnisse. Das Spiel ohne jeglichen Zweck  auf einer Wiese, das gemeinsame Erkunden des nahe gelegenen Waldes, das Rennen um die Wette, um sich dann lachend mit seinem Hund in einen Laubhaufen zu werfen.

Ich denke jeder der als Kind einen Hund hatte, kennt diese Momente. Die uns berührt haben, zusammengeschweißt haben, die alles beinhaltet haben wonach wir heute in der Beziehung zu unserem Hund suchen.

Dabei tragen wir die Antwort tief in uns.

Wir sollten nur lernen loszulassen und auf das zu hören, was uns als Kind schon geleitet hat.

Die Freude aneinander! Die Freude am zusammen Laufen, am gemeinsamen Spiel, am Emotionen teilen, am losgelöst sein. Dann kommen wir auch unserem Hund gefühlsmäßig näher, werden ein Team und fühlen uns bei der Arbeit MITEINANDER großartig!

Autorin: Katharina Lange,www.passionate-dog.com

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