Wie setzt man Blutegel am besten ein? Wie können Blutegel einem Hund am besten helfen? Worauf muss man bei der Blutegeltherapie beim Hund achten? Mirjam Knauer ist eine echte Expertin und kann uns hier wichtige Informationen geben.

„Die Natur kreiert nichts ohne Bedeutung“ sagte damals schon Aristoteles.

Der Ekelfaktor ist bei den meisten groß, wenn sie das erste Mal Blutegel sehen. Doch diese flinken, regenwurmähnlichen Tierchen können so viel Linderung einem Hund verschaffen und haben viele positive Wirkungen.

Sie werden als Hirudo medicinalis bezeichnet zu Deutsch medizinischer Blutegel.

Die Wirkung dieser Tiere beruht auf mehrere Faktoren. Dem meisten Erfolg wird dem Speichel der Blutegel zu geschrieben, dieser enthält mehrere Substanzen, welche auf den Körper positiv wirken. Hauptsächlich enthält der Speichel Hirudin, und Heparin welche Gerinnungshemmende, gefäßerweiternde, entkrampfende und entzündungshemmende Wirkungen haben.

Dadurch kommt es auch danach zu einem kleinen Aderlass das bedeutet, dass die Bissstelle noch 4-8Stunden nachbluten kann aber nicht muss. In extremen Fällen wurde auch von 12Stunden berichtet, in anderen nur von einer Stunde.

Dem Bissreiz selbst wird auch eine positive Wirkung auf den Körper zu geschrieben.

Es kann nach dem Biss zu einer Schwellung oder Blutergüssen kommen, die aber in den darauf folgenden Tagen schnell abklingen. Wenn dies jedoch einmal nicht der Fall ist (kommt selten vor) sollte ein Tierarzt aufgesucht werden.

Es sollten keine Blutegel aus einem Teich gefischt werden. Die Tiere sollten in der Apotheke bestellt oder von einer Blutegelfarm die solche züchten kommen. Fragen Sie ruhig Ihren Therapeuten, woher er die Blutegel bezieht.

Man sollte viel Geduld mitbringen bei einer Blutegeltherapie, denn der Hirudo medicinalis saugt zwischen 45 Minuten – 2 Stunden Blut nachdem er angesetzt wurde und fällt dann gesättigt wieder ab. Schon allein bis der Blutegel sich einmal festsetzt kann einige Minuten dauern. Dies verlangt einem Hund viel ab, so lange ruhig liegen zu bleiben.

Der Hund sollte danach weiter ruhen, das heißt davor sollte schon ein ausgiebiger Spaziergang stattgefunden haben und die Bisswunde sollte locker verbunden werden, damit die Wunde nicht verschmutzt wird. Auf keinen Fall darf sich der Hund an dieser Stelle kratzen. Deshalb ist es manchmal notwendig, den Hund noch einige Stunden zu beaufsichtigen.

Nun kommen wir zu dem spannenden Punkt für welche Erkrankungen so eine Therapie überhaupt in Frage kommt.

Hirudo medicinalis anzuwenden sind sinnvoll bei:

·         Venenentzündungen (Phlebitis)

·         Thrombosen (Arterienverschluss)

·         Ohrenerkrankungen

·         Angina pectoris

·         Atemwegserkrankungen, Pneumonie, Probleme mit den Bronchen

·         Weichteilrheumatismus

·         Ischialgien

·         Arthritis

·         Hämatome, Muskelfaserrisse und Zerrungen

·         Schwindel

·         Gallenblasenentzündung, Prostatitis

·         Geschwülste, Arthrose

·         Hüftgelenksdysplase

·         Cauda-Equina-Syndrom

·         Ellbogengelenksdysplase, OCD

·         Spondylose, Bandscheibenschäden und Kompressionen

·         Sehnenentzündungen

 

Studien über die Wirksamkeit der Blutegel gibt es leider noch keine bei Hunden.

Jedoch machte 2004 die Carl und Veronica Carstens Stiftung eine Studie bei Menschen und kam zu dem Ergebnis, dass es in 80Prozent zu einer deutlichen Schmerzlinderung nach einer einmaligen Blutegelanwendung kam, die teilweise über Monate anhielt. Dies wurde anhand des Krankheitsbildes Arthrose getestet.

Nicht durchführbar ist eine Blutegeltherapie wenn der Hund folgendes hat: Ein akutes Magengeschwür oder Darmgeschwür, Krebs im Endstadium, blutverdünnende Mittel bekommt wie z.B. Marcumar, Bluterkrankheit, Blutanämie, fortgeschrittene Gefäßerkrankungen, ausgeprägte Wundheilungsstörung oder eine Allergie gegen Hirundin/Heparin.

Viele Tierheilpraktiker, Hundephysiotherapeuten oder auch Tierärzte bieten die Blutegeltherapie an.

Fragen Sie doch einmal nach und vielleicht ist Ihr Hund der nächste, der dann weniger Schmerzmittel braucht oder eine Verbesserung seiner Arthrosebeschwerden zeigt.

 

Geschrieben von Mirjam Knauer – Hundephysiotherapeutin

Erfahren Sie mehr über Hundephysiotherapie unter: www.hundephysio-praxispfote.com

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