Hunde lieben bedingungslos. Das ist keine neue Erkenntnis. Was ein Blindenhund in Brewster im US-amerikanischen Bundesstaat New York allerdings für seinen Menschen getan hat, ließ viele Tierfreunde weltweit ihren Hut ziehen.

Selbstlos warf sich Figo, ein achtjähriger Golden Retriever, vergangene Woche vor einen kleinen Schulbus, um seine blinde Halterin, Audrey Stone, vor der drohenden Gefahr des Fahrzeugs zu beschützen. 

Den Zusammenstoß konnte er dennoch nicht verhindern. Wie der Busfahrer später aussagte, habe er Halterin und Hund nicht gesehen, als sie die Straße überquerten. Sowohl Figo als auch Stone wurden vom Minibus erfasst. Nach dem Unfall wich der verletzte Vierbeiner Stone nicht von der Seite. „Er wälzte sich zu ihr rüber“, sagte Paul Schwartz, Betreiber einer naheliegenden Tankstelle und Ersthelfer. „Er ließ sich sein Bein zwar ohne Probleme von uns verbinden, bellte, weinte oder jaulte noch nicht einmal. Aber er versuchte die ganze Zeit, zu seinem Menschen zu gelangen.“  „Er wollte sie beschützen“, bestätigt auch John Del Gardo, Polizeichef der Stadt.  Stone selbst rief ebenfalls verzweifelt nach ihrer Fellnase. „Wir versicherten ihr immer wieder, dass es ihm gut geht.“

Selbst davon überzeugen konnte sich die Halterin vorerst nicht: Figo wurde im Feuerwehrwagen zum Tierarzt gebracht, während die 62-Jährige in das Krankenhaus in Danbury, Connecticut eingeliefert wurde. „Der Hund durfte nicht im Krankenwagen mitfahren. Das hat sowohl Vier- als auch Zweibeiner sichtlich verärgert“, schildert Schwartz.

Mittlerweile ist das Mensch-Hund-Team auf dem Weg der Besserung.

„Figo hat ein Trauma erlitten, tiefe Wunden und einen Bruch am rechten Vorderbein“, erklärte Tierärztin Dr. Angela O’Donnell. Eine Operation verlief jedoch erfolgreich. Derzeit wird die Fellnase zwar noch mit Schmerzmitteln behandelt, in spätestens sechs Wochen soll er aber wieder wohlauf sein. Stone zog sich bei dem Unfall unterdessen Brüche des Sprunggelenks, des Ellbogens und mehrerer Rippen sowie eine Kopfverletzung zu. Bis sie wieder in der Lage ist, sich um Golden Retriever Figo zu kümmern, bleibt die Fellnase in der Obhut der Tierklinik.

Um die Tierarztkosten braucht sich die 62-Jährige derweil keine Sorgen zu machen – sämtliche Rechnungen wurden bereits beglichen.

In den Sozialen Medien weltweit feiern Tierfreunde Figo als Helden und erklären, dass sie den beiden Verletzten helfen wollen. „Es gibt Webseiten, auf denen versucht wird, Geld zu sammeln“, weiß Tierärztin O’Donnell. „Meines Wissens wurde die Rechnung aber von einem anonymen Spender alleine bezahlt.“

Ob es letztlich aber tatsächlich ein Happy End für Figo und Stone geben wird, steht trotz der innigen Verbindung und der herzergreifenden Geschichte noch in den Sternen – sobald beide wieder wohlbehalten in den eigenen vier Wänden zurück sind, erwartet sie ein Besuch eines zertifizierten Trainers der Guide Dog Foundation, jener Stiftung, die Stone und ihren Assistenzhund betreut und in dessen Besitz Figo sich befindet. „Ist Figo nun etwas ängstlicher im Verkehr?  Oder ist er bereit, wieder alle Aufgaben zu übernehmen?“, regt Andrew Rubenstein, Marketingchef der Stiftung, zum Nachdenken an. „Sicherheit steht immer an erster Stelle. Wenn der Hund sich nach dem Vorfall ängstlich zeigt, werden wir mit Audrey sprechen, ob es nicht vielleicht besser ist, Figo in den Ruhestand zu schicken und einen neuen Assistenzhund zu übernehmen.“

Angesichts der außergewöhnlichen Beziehung zwischen Mensch und Hund bleibt aber zu hoffen, dass der achtjährige Figo noch viele Jahre an der Seite seiner Halterin verbringen und ihr durch seine Unterstützung mehr Lebensqualität schenken darf.

Weitere Verletzte gab es bei dem Unfall derweil nicht. Zwei Kindergartenkinder im Bus blieben unversehrt. Der Busfahrer wurde für die Dauer einer Untersuchung zum Unfallhergang vorläufig vom Dienst suspendiert.

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