Nachdem ich 2010 Asgard, mit knapp 7 Jahren, aus dem Tierheim zu mir nahm, musste ich mich ziemlich schnell und unverhofft mit dem Thema Aggressionen auseinandersetzen. Asgard, der liebe Schmusebär, den jeder gerne knuddeln wollte!

Ein toller Hund in der Familie und mit bekannten Leuten, ein angstaggressiver Hund fremden Menschen gegenüber, die ihn immer gerne anfassen wollen. Asgard mag aber ungerne angefasst werden und verteidigt seine Individualdistanz notfalls auch mit Bissen. Leider musste ich selbst noch 2 Beißvorfälle kurz nacheinander miterleben, damit wir das Gefahrenpotential meines Hundes bewusst wurde.

Das notwendige Mittel war schnell gefunden, damit Asgard keine Gefahr für sich oder andere darstellt- ein Maulkorb.

Wir trainierten  fleißig, doch eins wollte mir nicht so recht in den Kopf- Mein Hund, ein Leben lang mit Maulkorb!? Zu diesem Zeitpunkt ein noch quälender Gedanke. Er mochte ihn von Anfang an nicht, wollte ihn loswerden und ich malte mir aus, wie er leidet. Dazu kamen noch die bösen Blicke aller Leute, denen wir begegneten. Eltern rissen ihre Kinder beiseite, Leute wechselten die Straßenseite und ich hatte das Gefühl alle Blicke auf mir zu haben. Ich hörte die Leute sagen, ich habe meinen Hund nicht im Griff und würde ich ihn ordentlich erziehen bräuchte ich ihn nicht mit einem Maulkorb quälen.

Lange habe ich selbst mit mir gekämpft und gerungen. Doch dann wurde mir bewusst, dass ich keine andere Chance habe um Asgard ein möglichst normales Leben zu bieten, aber seine Umwelt nicht zu gefährden. Ich habe mich belesen und mit anderen Leuten gesprochen. Habe mir eine gute Maulkorbgewöhnung herausgesucht und beschlossen noch einmal von vorne zu beginnen. Es begannen endlose Besuche in Zoofachmärkten und die Suche im Internet bis der richtige Maulkorb gefunden war. Es sollte so sitzen, dass er locker auf der Nase aufliegt, die Nase vorne am Korb nicht anstößt und Asgard den Fang soweit aufmachen kann, dass er problemlos hecheln und trinken konnte.

Je mehr ich mit Asgard trainierte umso mehr merkte ich,  dass ihm der neue Maulkorb gar nicht wirklich was ausmachte. Da er nun optimal saß und mein Hund damit problemlos laufen konnte, entspannte ich mich merklich. Auch das gerne genannte Argument das ein Hund sich mit Maulkorb nicht wehren kann, konnte Asgard mir ziemlich schnell widerlegen als er einen "Tut-Nix-Jungspund-Rüden" kräftig vermöbelte, nachdem dieser frontal in ihn reingerannt ist. Auch körpersprachlich ist er weiterhin sehr präsent und kann trotz Maulkorb sehr gut kommunizieren (insofern sein Gegenüber auch versteht was er sagt).

Alles in allem kann ich sagen, dass der Maulkorb ausschließlich positive Seiten hat. Mein Hund hat alle Freiheiten die ein "normaler" Hund auch hat, jedoch ohne das er jemandem schaden kann.

Da der Maulkorb in den Köpfen der Leute, zu Unrecht, immer noch einen schlechten Ruf hat, obwohl sehr vielen Hunden und Haltern dadurch ermöglicht wird ein normales Leben zu führen, habe ich entschlossen die Aktion "Maulkorb drauf" ins Leben zu rufen. Viele Hundehalter trauen sich nicht ihrem Hund einen Maulkorb aufzusetzen da die Umwelt immer noch sehr abweisend und oft sogar beleidigend reagiert. Ein weiteres Problem ist die kompetente Beratung zum Kauf eines passenden und für den Hund gut sitzenden Maulkorbes. Erst wenn der Maulkorb ohne Einschränkungen getragen werden kann ist es möglich, dass der Hund ihn akzeptiert. Letztlich ist ein gut auf trainierter Maulkorb für den Hund nichts anderes als für uns beispielsweise die täglich benötigte Brille.

Es wird auch in der Zukunft weiterhin vorkommen, dass bestimmte Hunde unterschiedlichster Rassen einen Maulkorb tragen müssen oder der Halter entscheidet dem Hund einen Maulkorb aufzusetzen. Möglichkeiten, warum der Hund einen Maulkorb tragen muss, gibt es viele. Innerartliche Aggressionen, Aggressionen gegen Menschen, Objektbesessenheit oder das Fressen von Hinterlassenschaften oder anderen Dingen, können es notwendig machen einen Maulkorb zu tragen. Außerdem ist es in vielen öffentlichen Verkehrsmitteln sowie in diversen Urlaubsländern Pflicht dem Hund einen Maulkorb aufzusetzen. Auch der Besuch beim Tierarzt kann es nötig machen dem Hund einen Maulkorb aufzusetzen.

 „Die Untersuchung zeigt, dass es bei der Verwendung von Gittermaulkörben, bei positiver und ausreichender Maulkorbgewöhnung, durch den Maulkorb keine Einschränkungen in der Kommunikation zwischen Hunden gibt [...]“ führt Udo Gansloßer, Verhaltensbiologe und Zoologe, in seinem Buch "Forschung trifft Hund" an. „ […] auch nehmen andere Hund einen maulkorbtragenden Hund nicht als Irritation wahr und verhalten sich weder aggressiver noch meiden sie denjenigen [...]“ (Quelle: Forschung trifft Hund, Kosmos Verlag, 101-102)

Er ist weiterhin in der Lage damit zu spielen, zu toben, zu trinken und zu hecheln, ohne dass eine Gefahr von ihm ausgeht. All diese Faktoren erhöhen die Lebensqualität eines Hundes enorm. Ein weiterer positiver Nebeneffekt ist, dass der betreffende Halter deutlich entspannter sein kann und sich dies wiederum auf den Hund auswirkt. Durch die Sicherheit, dass nichts passieren kann ist es möglich mit dem Hund zu trainieren und an seinem Verhalten zu arbeiten, ohne das der Halter Angst haben muss.

Letztlich ist der Maulkorb in Raufergruppen, Gruppenstunden oder dem Einzeltraining in Hundeschulen absolut notwendig, um mit den  Hunden gefahrlos trainieren zu können, sie zu resozialisieren oder sie sich einfach mit Artgenossen austauschen zu lassen.

Wir wünschen uns mehr Akzeptanz für den Maulkorb und eine Sensibilisierung der Halter, denen die Angst genommen werden soll, seinem Hund einen Maulkorb aufzusetzen. Wir wünschen uns eine Umwelt, in der man nicht diskriminiert wird und Medien, welche sachlich und vor allem fachlich richtig darüber berichten.

Wenn sie uns unterstützen wollen, Fragen haben oder sich einfach mit Gleichgesinnten austauschen wollen, besuchen sie uns auf unserer Homepage

www.maulkorb-drauf.jimdo.com  oder schauen Sie auf Facebook unter vorbei www.facebook.com/maulkorbdrauf 

 

Artikel von Carolin Opitz (www.couchwolf.de)

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